Nach den Aussagen von Innenminister Horst Seehofer

Islam-Debatte: Sternberg kritisiert populistische Ausgrenzung

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) wendet sich „entschieden“ gegen eine pauschale Verurteilung des Islam und der Muslime. „In den gegenwärtigen Debatten darüber, welche Religion zu Deutschland gehört und welche nicht, werden zunehmend gewalttätige Extremisten, die den Islam für ihre Zwecke missbrauchen, mit den in Deutschland friedlich lebenden Muslimen und vor Gewalt und Terror geflüchteten Menschen gleichgesetzt“, kritisierte ZdK-Präsident Thomas Sternberg am Freitag.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte zuletzt mehrfach erklärt, hier lebende Muslime gehörten zwar „selbstverständlich“ zu Deutschland. Aber: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und viele andere politische und gesellschaftliche Stimmen hatten dagegen betont, inzwischen gehöre auch der Islam zu diesem Land.

„Populistische Aussagen diffamieren Menschen“

ZdK-Präsident Sternberg sagte weiter, die gezielten populistischen Aussagen und deren Übernahme in den Sozialen Medien führten dazu, dass Menschen aufgrund von Herkunft und Religion diffamiert würden. „Dies ist ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen, aber auch für all die Menschen, die sich im interkulturellen und interreligiösen Dialog für Verständigung und unsere gemeinsame Gesellschaft einsetzen.“ Ein friedliches Miteinander kann laut Sternberg nur erreicht werden, wenn „Respekt, Vertrauen und die gegenseitige Anerkennung eines anderen religiösen Bekenntnisses selbstverständlich sind“.

Die Deutsche Bischofskonferenz hatte bereits erklärt, sich an der neuerlichen Debatte nicht beteiligen zu wollen. Über die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehöre, sei in zurückliegenden Jahren ausführlich diskutiert worden, sagte der Sprecher der Bischofskonferenz, Matthias Kopp. Die Debatte habe sich „als nicht zielführend erwiesen“.

Islam-Theologe Khorchide: Auch Christen in der Pflicht

Der Leiter des Zentrums für Islamische Theologie der Universität Münster, Mouhanad Khorchide, nahm derweil Christen und Muslime gleichermaßen in die Pflicht. Sie sollten die eigene Kultur, Geschichte und Religion „ernster nehmen“, schrieb Khorchide am Freitag in der „Rheinischen Post“. Dies sei „der erste Schritt“ zu mehr Bereitschaft, sich dem Anderen zu öffnen.

Wenn ein Muslim unter Islam nur äußere Elemente wie Moschee, Kopftuch und Speisevorschriften verstehe und ein Christ unter der abendländisch-christlichen Kultur nur Weihnachten, „dann haben sich unsere Identitäten längst ausgehöhlt“, so der Theologe.