Hintergründe noch unklar, antisemitisches Motiv noch nicht ausgeschlossen

Islamistischer Terror in Wien löst Trauer aus

  • Der Terroranschlag in Wien war nach Erkenntnissen der Ermittler islamistisch motiviert.
  • Ob eine Synagoge eines der Ziele war, ist noch unklar.
  • Kirchenvertreter äußern Trauer und bekunden Solidarität mit den Opfern.
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Nach dem Anschlag in der Wiener Innenstadt steht für die Ermittler ein islamistischer Hintergrund fest. Ein am Montagabend von der Polizei getöteter Täter sei Anhänger der Terrormiliz „Islamischer Staat“ gewesen, sagte Österreichs Innenminister Karl Nehammer. Demnach gibt es neben dem Angreifer bisher vier Tote, zwei Männer und zwei Frauen. 18 weitere Menschen wurden teils schwer verletzt. „Wir gehen derzeit davon aus, dass es mehrere Täter gegeben hat“, sagte Nehammer.

Am Montagabend kurz nach 20 Uhr waren nahe dem U-Bahnhof Schwedenplatz die ersten Schüsse gefallen. Danach kam es an weiteren Tatorten in der Nähe zu Feuerüberfällen. In der Gegend befindet sich die Wiener Hauptsynagoge. Die Ermittler prüfen einen antisemitischen Hintergrund der Tat. Zudem handelt es sich um ein beliebtes Ausgehviertel.

Muslime bieten Ermittlern Kooperation an

Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich bot ihre uneingeschränkte Kooperation mit den Sicherheitsbehörden an. Man wisse über den oder die Täter auch nicht mehr, als das Innenministerium bekanntgegeben habe, sagte eine Sprecherin

Die Israelitische Kultusgemeinde schloss alle Synagogen in Österreich. Betroffen seien in Wien zudem sämtliche Einrichtungen, wie koschere Restaurants, Supermärkte und Schulen. Gemeindemitglieder wurden aufgefordert, zu Hause zu bleiben.

Wiener Kardinal und Papst Franziskus äußern sich betroffen

Neben Politikern aus aller Welt zeigte sich der Wiener Kardinal Christoph Schönborn tief betroffen. Österreich dürfe nicht zu einer Gesellschaft werden, „die sich in der Angst abschließt“, sagte er im ORF-Fernsehen. „Solange die Wärme in unserer Gesellschaft stärker ist als die Kälte des Hasses, brauchen wir nicht mutlos zu sein.“

Mit „großer Betroffenheit“ reagierte Papst Franziskus. Die Gewaltakte hätten „über unschuldige Menschen Tod und Schmerz gebracht“, heißt es in einem von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin an Schönborn übermittelten Telegramm. Der Papst bekunde „den Angehörigen der Toten und dem ganzen österreichischen Volk seine tiefe Anteilnahme“. Er sei auch den Verletzten nahe und bitte um das Ende von Gewalt und Hass.

Trauer in den deutschen Kirchen

Die beiden großen Kirchen in Deutschland verurteilten die Anschläge scharf. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, erklärte: „Keinerlei Form von Terror, kein islamistischer, kein rechts- und kein linksextremer, darf einen Platz haben in unserer Gesellschaft und Kultur.“ Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Bischof Heinrich Bedford-Strohm, nannte die Tat einen „Anschlag auf die Menschlichkeit überhaupt“.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken sprach von einem „widerwärtigen Terroranschlag“. Man bete für die Opfer und den Zusammenhalt der Gesellschaft.

Muslime in Deutschland verurteilen Täter

Der türkisch-islamische Verband Ditib verurteilte den „brutalen Terrorakt“ und drückte den Angehörigen der Opfer Mitgefühl aus. „Terroristen und jenen, die mit ihnen sympathisieren, sagen wir: Ihr seid eine verachtenswerte Gruppe gescheiterter Individuen, die in diesem und im nächsten Leben mit der gerechten Strafe rechnen müssen.“

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, erklärte: „Die Terroristen trachten nach unserem Leben, nach unserer Freiheit und wie wir hier in Europa leben.“ Ähnlich äußerte sich der Sprecher des Koordinationsrates der Muslime, Burhan Kesici.

Weitere Bischöfe trauern

Die Islamisten verachteten „religiöse Toleranz und unsere pluralen Gesellschaften“, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki schrieb auf Facebook: „Gewalt und Terror sind durch nichts zu rechtfertigen.“ Seine Gedanken seien bei den Opfern, den Angehörigen und Einsatzkräften. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick wünschte den Angehörigen Trost, der Polizei schnellen Erfolg bei der Fahndung und der Gesellschaft Zusammenhalt.

(Update 17.15 Uhr: Reaktion des Papstes im sechsten, weitere Reaktionen in den folgenden Absätzen.)

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