Die neuen Priester im Bistum Münster / Teil 1

Jan Aleff aus Dorsten-Rhade wird zum Priester geweiht

Jan Aleff sitzt auf einer Holzbank, gebaut aus Paletten, und lacht. Heiterkeit, diese Eigenschaft ist dem 37-Jährigen wichtig. Nicht nur im persönlichen, auch im beruflichen Kontext: „Um die Frohe Botschaft zu verkünden, brauchen wir Heiterkeit“, sagt er. Die Menschen in der Kirche müssen das wieder lernen, ist Aleff überzeugt, „heiter zu sein, weil sie Getaufte sind“.

Aleff fasst seine Motivation, Priester zu werden, in wenigen Worten zusammen: „Wir haben tolle Botschaften in der Bibel. Wenn ich davon erzähle, macht mich das einfach zufrieden.“ Aufgewachsen im ländlichen Rhade bei Dorsten engagierte er sich schon früh als Messdiener und Gruppenleiter in der Pfarrei, ließ sich von Gruppendynamik anstecken.

Zunächst Lehrer

Während des Zivildienstes in Kinder- und Jugendwohngruppen wurde er mit der Realität konfrontiert. „Gewalt, Drogen, Verwahrlosung – das hat mich bestürzt, und ich wusste, dass es da etwas zu tun gibt.“

Aleff studierte Deutsch und Erdkunde, später auch Theologie, und wurde Lehrer. „Ich wollte partout nicht in die Richtung gedrängt werden, Priester zu werden“, erinnert er sich, obwohl ihn Freunde und Bekannte immer wieder darauf ansprachen. Vor dem Referendariat fühlte er sich dann doch berufen: „Ich habe einen Deal mit mir geschlossen: Wenn der Ruf nach der Ausbildungszeit immer noch so stark ist, werde ich ihm nachgehen“, blickt er zurück. Zwei Jahre später zog er ins Priesterseminar ein.

Diakon in Bocholt

Mehrere Jahre sind seitdem vergangen. Besonders sein Einsatz zunächst als pastoraler Mitarbeiter und dann als Diakon in der Pfarrei St. Georg in Bocholt hat ihn in seiner Entscheidung, Priester zu werden, bestärkt. „Hier habe ich gelernt, wie Gemeinde auch in Zukunft funktionieren kann“, sagt Aleff.

Gern habe er als Diakon Kinder getauft, Paare getraut, selbst Menschen beerdigt. „Bei einer guten Beerdigung passiert viel Frohe Botschaft“, diese Erfahrung hat der 37-Jährige oft gemacht.

„Es gibt viele Berufungen“

Am liebsten aber steht er am Taufbecken. „Es ist einfach toll, junge Menschen in die Gemeinschaft der Christen aufnehmen zu dürfen“, sagt er. Außerdem verweise das Sakrament auf die Zukunft der Kirche: „Bei den sinkenden Priesterzahlen werden der Sauerteig in der Gesellschaft Menschen sein, die sich an ihre Taufe erinnern und gern über ihren Glauben sprechen“, ist er überzeugt.

Trotz aller Herausforderungen blickt Aleff positiv in die Zukunft: „Die Kirche wird von der Basis her lebendig bleiben.“ Wichtig ist ihm, dass nicht nur er „der Berufene“ in einer Gruppe ist. „Es gibt viele Berufungen“, sagt er. Jeder Mensch trage Talente in sich, die eine Berufung möglich machten.