Neues Buch des dänischen Bestseller-Autors

Jesper Juul: Wie Eltern Liebende bleiben

Nach zahlreichen Ratgebern zum Thema Erziehung hat Jesper Juul in Buch vorgelegt, in dem es vor allem um die Situation der Eltern geht. In „Liebende bleiben“ werden Gespräche mit Eltern über die Familien- und Paarsituation do­ku­mentiert. Juuls Grundthese lautet: Das Beste, was Eltern für ihr Kind tun können, ist, gut auf die Beziehung aufzupassen.

Der Alltag frisst Kraft und Zeit

So leicht sich der Rat anhört, so schwer ist er oft umzusetzen. Neben der Arbeit, Hausarbeit, Kinder zum Sport fahren, an Schulveranstaltungen teilnehmen, Ausflüge mit Kindern organisieren – wo bleibt da noch Zeit, als Paar allein etwas zu unternehmen? Wie viele Eltern liegen abends geschafft auf dem Sofa, und das einzige Gesprächsthema sind Kinder?

Neben organisatorischen Fragen geht es oft genug um die richtige Erziehung, was schnell zum Streit zwischen den Eltern führen kann. Wie in einem Beispiel aus „Liebende bleiben“: Die fünfjährige Lara hat ständig Wutanfälle. Im Gespräch mit Jesper Juul kommt heraus, dass die Eltern unterschiedlich handeln und sich darüber streiten, wer zu streng oder zu nachgiebig ist. Juul meint, die Wutanfälle der Tochter seien ein Hilferuf, weil sich die Eltern streiten. Er ist überzeugt: „Wut ist kein Problem. Wut ist wunderbar.“ Sie zeige auf, dass etwas nicht stimme.

Eltern dürfen unterschiedlich reagieren

Juul erklärt, dass Kinder damit klarkommen, wenn die Eltern unterschiedlich sind: „Akzeptiere, dass dein Partner anders ist als du.“ Man solle sich nicht ständig streiten, wer was richtig oder falsch mache, sondern lieber nach Unterstützung fragen. „Von Eltern, die der Partnerin oder dem Partner mit Empathie und Respekt begegnen, lernen Kinder, dass Menschen verschieden sind und dass das in Ordnung ist.“

In den Gesprächen, die Juul mit den Familien führt, macht er deutlich, wie wichtig es ist, dass sich jeder bewusst wird, was er möchte und dass man nicht nur Elternteil, sondern auch Partner ist. Bedürfnisse zu erkennen und zu formulieren, sei nicht immer leicht.

Bei Sarah und Maik beispielsweise kommt es oft zu angespannten Situationen. Beide arbeiten daheim, einer ist abwechselnd für die Kinder zuständig. Sarah schickt die Kinder zum Vater, wenn sie keine Zeit hat, oder vertröstet sie.

Kinder brauchen konkrete Sätze

Jesper Juul ist das nicht konkret genug. Er rät: „Sage: ›Ich will jetzt nicht mit dir reden oder spielen.‹“ Denn Jesper Juul meint, Unkonkretes wie „Wir spielen später“ erzeuge Gegenwehr. Kinder bräuchten klare Sätze. „Die Kinder erleben das am Anfang als Frustration, aber je konsequenter man sich an eine persönliche und klare Sprache hält, erfahren sie, dass diese Worte sie nicht als Person zurückweisen, denn nach der Rede- oder Kuschelzeit der Eltern sind Mama und Papa ja wieder für sie da.“

Auch Kleinigkeiten können die Paarbeziehung belasten. So rät Jesper Juul, keine unausgesprochenen Erwartungen an den Partner zu haben. Wenn man beispielsweise vom Partner erwarte, er solle die Kinder ins Bett bringen, weil man mal eine Stunde Ruhe haben möchte, solle das auch so ausgesprochen werden. Dann kann der Partner reagieren: Er macht es oder nicht. „Diese Verantwortung für seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu übernehmen, ist besonders wichtig, wenn man Familie wird“, sagt der Therapeut.

Den Partner mal in den Arm nehmen

Das Buch thematisiert neben Streit zwischen Eltern bei­spielsweise auch Alkoholpro­bleme oder Trennungen. Auch wenn nicht jede Familie die gleichen Probleme hat, gibt es viele Beschreibungen, die Eltern kennen. „Liebende bleiben“ ist ein guter Denkanstoß auf Juuls gewohnt positive und konstruktive Art, sich den eigenen Beziehungsstatus in der Familie genau anzusehen. Ob romantisches Dinner zu zweit oder einfach mal den Partner in den Arm nehmen – Juul ist es ein Anliegen, das Paarsein nicht zu vergessen.