Für regionale Reformschritte bei Streitthemen

Jesuit Wucherpfennig: Bei Sexualmoral muss Kirche umdenken

Der Jesuit Ansgar Wucherpfennig fordert ein Umdenken in der katholischen Sexualmoral. „Die Kirche ist im Reformstau der Sechzigerjahre stecken geblieben und hat viele gesellschaftliche Entwicklungen nicht wahrgenommen“, sagte der Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Frankfurt-St. Georgen.

Nach den Worten Wucherpfennigs machen die Strukturen in der Kirche Machtmissbrauch und sexuelle Gewalt erst möglich. „Katholische Geistliche haben große Macht über Menschen, die sich ihnen anvertrauen.“ Von manchen Jugendlichen würden sie unkritisch verehrt.

„Zynisch zölibatäre Priester“

Als größte Risikogruppe sieht Wucherpfennig die „zynisch Zölibatären“, die, egal ob homo- oder heterosexuell, Probleme mit ihrer Sexualität hätten und sich deshalb in die priesterliche Ehelosigkeit flüchteten. „Sie stehen nicht zu ihrem Verhalten bis hin zu ihren Verbrechen.“

Wucherpfennig war Anfang 2018 für eine dritte Amtszeit als Rektor der Jesuitenhochschule wiedergewählt worden; der Vatikan hatte ihm aber zunächst nicht die dafür erforderliche Unbedenklichkeitserklärung erteilt, was auf massive Kritik stieß. Wucherpfennig hatte sich wiederholt kritisch zum Umgang der Kirche mit Frauen und Homosexuellen geäußert.

Verturteilung Homosexueller ist „Steinbruchexegese“

In einer Rede in Bad Soden erneuerte Wucherpfennig seine Kritik an der Haltung der Kirche gegenüber Schwulen und Lesben. Homosexualität mit Verweis auf die Bibel abzulehnen, bezeichnete er als „Steinbruchexegese“. Hier würden auf fundamentalistische Weise Bibelstellen aus dem Kontext gerissen, ohne heutige Wertmaßstäbe zu beachten.

Zum Nein der Kirche zur Priesterweihe für Frauen sagte der Jesuit, er wundere sich, dass sich Frauen weiter ehrenamtlich engagierten, ohne dass sie dafür ein großes Lob oder Dank erführen. „Ohne Frauen würde die Kirche keinen einzigen Tag weiter existieren“, warnte Wucherpfennig.

Für dezentrale Reformen

Um Reformen voranzutreiben, sollte es nach Meinung des Jesuiten „kulturell gebundene Lösungen geben“. Es nütze nichts, auf den Papst zu starren: „Die Schritte müssen dezentral geschehen.“ Und weiter: „Der Glaube muss reflektiert werden von denen, die glauben, und nicht von denjenigen, die amtlich dafür zuständig sind.“