Trotz Vertrauensverlust in der Kirche: "Für die Botschaft der Hoffnung ist es nie zu spät"

Jochen Reidegeld als Pfarrer in Steinfurt und Kreisdechant eingeführt

In einem feierlichen Gottesdienst ist Jochen Reidegeld in sein Amt als Pfarrer von St. Nikomedes in Steinfurt eingeführt worden. Reidegeld, der künftig auch Kreisdechant und damit Vertreter des Bischofs auf Kreisebene ist, folgt auf Pfarrer Markus Dördelmann, der im Spätsommer auf beide Ämter verzichtet hatte.

Wie sehr sich Jochen Reidegeld auf seine neuen Aufgaben als Pfarrer von St. Nikomedes in Steinfurt freut, das betonte der 51-Jährige bei seiner Amtseinführung gleich mehrfach. Nach zehn Jahren als stellvertretender Generalvikar des Bistums Münster wollte der gebürtige Grevener gerne zurück in die Seelsorge. Diesem Wunsch hat Münsters Bischof Felix Genn entsprochen.

Herzliches Willkommen mit vielen Gästen

In den Bänken der großen St.-Nikomedes-Pfarrkirche mussten die Gottesdienstteilnehmer zusammenrücken - und nicht mal dann hatten alle einen Sitzplatz. Neben der Familie, Freunden, ehemaligen und künftigen Mitarbeitern sowie weiteren geladenen Gästen aus Kirche, Politik und Gesellschaft hatten sich auch viele Steinfurter auf den Weg gemacht, um den neuen Pfarrer willkommen zu heißen.

Begleitet von Priestern der Pfarrei, befreundeten Mitbrüdern, unter ihnen Weihbischof Christoph Hegge, Fahnenabordnungen zahlreicher kirchlicher und nichtkirchlicher Vereine sowie fast 70 Messdienern zog Reidegeld in die Kirche ein. Die musikalische Gestaltung des Festgottesdienstes übernahm der Chor „Cantata“ unter der Leitung von Kantor Markus Lehnert.

Gespannt auf den gemeinsamen Weg

Willkommen geheißen wurde Reidegeld von der Pfarreiratsvorsitzenden Mechtild Upmann, dem stellvertretenden Kirchenvorstandsvorsitzenden Martin Varwick sowie dem Kreisdekanatsgeschäftsführer Matthias Kaiser. Upmann versprach dem neuen Pfarrer die Unterstützung der Gremien: „Wir sind gespannt auf unseren gemeinsamen Weg.“ Anschließend überreichte ihm der stellvertretende Dechant, Pfarrer Klaus Lunemann aus Greven, im Namen von Münsters Bischof Felix Genn die Ernennungsurkunde.

In seiner Predigt ließ der neue Pfarrer und Kreisdechant durchblicken, was die Menschen in Steinfurt von ihm erwarten dürfen und stellte dabei das Licht als Zeichen der Hoffnung in den Mittelpunkt. Gerade in einer Zeit, in der der Populismus zunehme, brauche die Welt Licht, das die Finsternis erhellt.

Einsatz gegen Rechtsextremismus gefordert

In diesem Zusammenhang nannte Reidegeld es als Auftrag der Christen, dem Rechtsextremismus etwas entgegenzusetzen. Auch ging er in seiner Predigt auf die aktuelle Situation in der katholischen Kirche ein: „Wir haben Vertrauen verloren, weil wir viel zu oft falsch gehandelt haben.“ Eine Kirche, die den Menschen sage, wie sie zu leben haben, „eine solche Kirche hat keine Zukunft“.

Dennoch zeigte sich der neue Pfarrer von St. Nikomedes zutiefst überzeugt, dass es für die Botschaft des Evangeliums, für die Botschaft der Hoffnung, nie zu spät sei: „Die Tür steht offen.“ Für sein „Grundsatzprogramm“, wie Reidegeld seine erste Predigt mit einem Augenzwinkern nannte, erhielt der Pfarrer langanhaltenden Applaus von der Gemeinde.

Geschwisterliches Miteinander in der Ökumene

Im Namen der evangelischen Kirchengemeinde freuten sich Superintendent André Ost und Pfarrer Holger Erdmann auf ein geschwisterliches Miteinander in der Ökumene: „Lass uns gemeinsam Kirche in Steinfurt sein“, so Holger Erdmanns Wunsch.