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Tausende Kinder und Jugendliche singen und musizieren regelmäßig in Gottesdiensten. Doch wie steht es um die Wertschätzung, fragt Johanna Müller.
Kirchenmusik macht authentische Jugendarbeit – und das häufig fernab aller Aufmerksamkeit.
Ministrant:innenwallfahrten werden in kirchlichen Kreisen lange im Voraus beworben, gerne von Bischöfen besucht und das Engagement der Jugendlichen gelobt – das ist richtig so. Doch während diese Art der Jugendarbeit viel Aufmerksamkeit bekommt, scheinen Kinder- und Jugendchöre kaum im Blick zu sein.
An anderer Stelle beklagt man die schwindenden Mitgliederzahlen in der Kirche und versucht, mit durchgestylten Glaubensfestivals wieder mehr junge Leute zu erreichen, statt den Blick zu weiten und die eigenen Schätze zu heben.
Internationales Treffen
Die Autorin
Johanna Müller (21) studiert katholische Theologie in Tübingen und ist Stipendiatin des Instituts für publizistische Ausbildung (ifp). Sie kommt aus dem Bistum Münster und war jüngstes Mitglied der Vollversammlung des Synodalen Wegs.
Wöchentlich treffen sich Kinder und Jugendliche zur Chorprobe, singen und erleben Gemeinschaft. Sie tun regelmäßig ihren Dienst in der Liturgie – egal ob an den Domkirchen oder in Pfarreien überall in Deutschland. Viele dieser katholischen Kinder- und Jugendchöre sind im Verband Pueri Cantores organisiert.
In knapp einer Woche beginnt das 45. Internationale Chorfestival der Pueri Cantores in München. Es werden 4.500 junge Sänger:innen in 167 Chören aus 18 Ländern erwartet. Vier Tage lang bevölkern sie die bayerische Landeshauptstadt und das Münchner Umland. Sie singen gemeinsam in Konzerten, Gottesdiensten und sozialen Einrichtungen. In Workshops lernen sie über verschiedene Kulturen und einige werden die KZ-Gedenkstätte in Dachau besuchen.
Authentische Glaubenserfahrung
Wer mangelnde Aufmerksamkeit seitens der Institution Kirche damit begründet, Chorarbeit oder die Festivals der Pueri Cantores seien nicht explizit genug christlich oder nur ein Bruchteil kirchlicher Jugendarbeit, argumentiert an der Realität vorbei. In Zeiten von Neuevangelisierung und boomenden Pfingstfestivals wirkt klassische Kirchenmusik unspektakulär – dabei geschieht hier, was andere versuchen krampfhaft zu erreichen: Gemeinschaft, authentische Glaubenserfahrung und Momente des Staunens.
Gerade weil weder missioniert wird noch es bei der Anmeldung in einem Chor um Kirchenmitgliedschaft geht, wirkt diese Form der Jugendarbeit so authentisch.
Unter dem Motto „Vielstimmig für den Frieden“ werden Tausende junge Sänger:innen vom 16. bis 20. Juli 2025 zusammenkommen und das tun und erleben, was die Pueri Cantores seit mehr als 70 Jahren tun: singen zum Lob Gottes, sich in Freundschaft begegnen und für Frieden einsetzen.
Ein Schatz, der mehr Beachtung verdient.
„Niemand soll dich wegen deiner Jugend geringschätzen!“, ermutigt der 1. Timotheusbrief (4,12) seinen Empfänger Timotheus. Und in der 1.500 Jahre alten Benediktsregel rät der heilige Benedikt, bei wichtigen Dingen alle Brüder anzuhören, „weil der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das Bessere ist“ (RB 3,3). Darum kommen in unserer Rubrik „Der junge Kommentar“ ausdrücklich Autor:innen unter 30 Jahren mit ihrer persönlichen Meinung zu einem selbst gewählten Thema zu Wort. Sie sind ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.