Themenwoche „Was uns in der Kirche hält“ (4) - aus Neuenkirchen

Johanna Stein (24) will die Kirche von innen heraus verändern

  • Die 24-jährige Johanna Stein aus Neuenkirchen will die Kirche von innen heraus verändern.
  • Dabei gehört das Hadern mit der Institution dazu.
  • Echte Stimmungsmacher für sie sind das Ehrenamt und Katholikentage.
     

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„Ich bin unglaublich gerne jemand, die Kirche von innen heraus verändert.“ Die 24-jährige Johanna Stein aus der St.-Anna-Gemeinde in Neuenkirchen engagiert sich ehrenamtlich in der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ). Stein ist gerne in der Kirche aktiv.

Das Hadern mit der Institution gehört aber bei ihr genauso dazu. Sie gibt als ehrenamtliche Referentin Kurse für junge Menschen bei der CAJ rund um Bewerbungen, Arbeitsrecht und Finanzen. Die Kirche sieht sie neben einem Ort für Spiritualität auch als Raum, um sich zu engagieren und anderen Menschen zu helfen.

Auf Party für Ehrenamt gewonnen

Die 24-Jährige ist christlich aufgewachsen. „Die Eltern hatten schon einen Bezug zur Kirche“, erzählt sie. Früher seien ihre Eltern mit ihr häufig in den Familiengottesdienst gegangen. Wie selbstverständlich habe sich dann auch ein Engagement bei den Messdienern entwickelt, so die Studentin, die gerade ihren Bachelor in Sozialer Arbeit in Münster abgeschlossen hat. „Als ich 16 war, wurde ich auf einer Party angesprochen, ob ich mir nicht vorstellen könnte, in die CAJ zu kommen“, so Stein.

Aus einer Mitgliedschaft in der CAJ ist ein größeres Amt geworden: Sie wurde zur Diözesanvorsitzenden des Jugendverbands gewählt. Nach ihrer Tätigkeit im Vorstand ist Stein noch immer für die CAJ aktiv und betrachtet auch die Entwicklungen in der katholischen Kirche mit Interesse.

Einige Vatikan-Äußerungen stören sie extrem

„Es dauert alles extrem lange in der Kirche, bis Entscheidungen getroffen werden“, merkt sie an. Auch diverse Äußerungen des Vatikan zur gleichgeschlechtlichen Ehe stören sie extrem, unterstreicht sie deutlich. Stein spricht auch die vielen Missbrauchsfälle in der Kirche an. Sie sieht zu wenig Aufarbeitung und stört sich generell am kirchlichen Umgang mit Missbrauch.

Den Reformprozess Synodaler Weg habe Johanna Stein während ihrer Bachelor-Arbeit nicht wirklich verfolgt. Sie findet, dass Jugendverbände in Sachen Mitbestimmung schon deutlich weiter seien. „In den Verbänden sind viele Prozesse demokratisch legitimiert und Mitbestimmung einfacher möglich“.

Katholikentag und Ehrenamt als Stimmungsmacher

Stein sagt, sie habe trotz allem ihren Platz in der Kirche gefunden. „Oftmals hilft es, in einer schnellen Welt einfach mal innezuhalten. Die Kirche gibt Raum dafür.“ Sie fühle sich in ihrer Umgebung „mit vielen tollen Menschen“ wohl. Auch für das spätere Arbeitsleben könne man viel lernen. So engagiert sie sich in der „NUTZBAR“-Reihe der CAJ als ehrenamtliche Referentin. Jungen Menschen zeige sie dort, wie man Bewerbungen schreibe und welche Rechte sie als Arbeitnehmer haben.

Als besonderes Erlebnis hat sie den Katholikentag 2018 in Münster in Erinnerung. Die Stimmung unter den vielen Katholiken sei beeindruckend gewesen. So erzählt sie begeistert, wie ein mit Menschen gefüllter Prinzipalmarkt in Münster gesungen hat. Auch habe sie eine Menge gelernt. Sie nennt beispielsweise einen Workshop für Gebärdensprache beim Katholikentag. Am besten gefallen habe ihr das Miteinander, das man gerade auf dem Katholikentag ganz besonders gespürt habe.