MISSBRAUCH

Johannes-Dyba-Allee: Fuldas Stadtrat hat über Umbenennung entschieden

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Die SPD hatte die Straße umbenennen wollen, Missbrauchs-Betroffene unterstützten das. Das Fuldaer Stadtparlament debattierte mehr als zwei Stunden.

Von KNA

Ein Anlauf zur Umbenennung der Johannes-Dyba-Allee in Fulda ist gescheitert. Die dortige Stadtverordnetenversammlung lehnte den Antrag am Montagabend, 7. September, nach mehr als zweistündiger Debatte mit 33 zu 23 Stimmen ab, teilt eine Sprecherin der Stadtverwaltung mit. Das Vorhaben hatte bereits im Haupt- und Finanzausschuss keine Mehrheit erreicht.

Betroffene von Missbrauch im kirchlichen Bereich hatten zuletzt an die Lokalpolitik appelliert, für eine Umbenennung der Allee zu stimmen. Ihr Name erinnert an den verstorbenen früheren Erzbischof in Fulda, der zwischen 1983 und 2000 amtierte; sie liegt nahe dem Dom.

Das sagen Betroffene

Hintergrund sei Dybas Verantwortung im Umgang mit sexualisierter Gewalt, hatte der Betroffenenbeirat der Bistümer Fulda und Limburg erklärt. "Wegschauen ist nicht neutral. Sexueller Missbrauch kann und konnte über Jahrzehnte auch deshalb fortbestehen, weil Verantwortliche nicht eingegriffen, Betroffene nicht ausreichend geschützt und institutionelle Interessen priorisiert haben."

Dem 2000 gestorbenen Erzbischof wird vorgeworfen, Hinweisen auf sexualisierte Gewalt durch Priester nicht nachgegangen zu sein. Das geht aus einem im Juni 2025 veröffentlichten Bericht einer unabhängigen Kommission hervor.

Die SPD hatte im Fuldaer Stadtparlament die Umbenennung der nach Dyba benannten Allee in Kastanienallee beantragt. So hatte die rund 150 Meter lange Straße bis 2000 geheißen.

Betroffene nach Entscheidung enttäuscht

Missbrauchs-Betroffene äußern sich enttäuscht über die Entscheidung. Das Votum der Stadtverordneten sei auch deshalb schwer nachvollziehbar, "weil die entscheidende Frage letztlich weniger lautete, welche Verantwortung Erzbischof Dyba während seiner Amtszeit im Umgang mit Betroffenen und Beschuldigten trug, sondern ob ihm ein persönliches, möglicherweise sogar strafrechtlich relevantes Fehlverhalten nachgewiesen werden kann", teilt der Betroffenenbeirat der Diözesen Fulda und Limburg auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur mit.

Für Betroffene sei die Entscheidung "auch auf einer anderen Ebene bitter", so der Beirat. "Viele von ihnen kennen aus ihrer eigenen Geschichte das Muster, dass angesehene kirchliche Persönlichkeiten und ihr Ansehen geschützt wurden, während die Perspektive der Betroffenen und die Frage nach Verantwortung in den Hintergrund traten." Die Entscheidung könne bei Betroffenen Erfahrungen wachrufen, die weit über die Frage nach einem Straßennamen hinausgingen.

So reagiert das Bistum Fulda

Das Bistum Fulda bekannte sich nach der Abstimmung dazu, "angesichts der bitteren Geschehnisse unter kirchlicher Verantwortung in der Vergangenheit" seiner Verpflichtung weiter nachzukommen, Missbrauch entgegenzutreten. Man werde mit entschlossenen und gezielten Maßnahmen zur Prävention und Intervention alles tun, damit Kirche ein sicherer Ort sei, an dem es keinen Raum für sexualisierte Gewalt gibt.

Update 15 Uhr: Reaktionen Betroffene und Bistum Fulda

Sexualisierte Gewalt: Hilfe und Hinweise
Haben Sie sexualisierte Gewalt im Bistum Münster erlitten oder möchten Hinweise zu Fällen geben, können Sie sich an die Interventionsstelle oder die Unabhängigen Ansprechpersonen wenden: https://www.bistum-muenster.de/sexueller_missbrauch/. Die Unabhängige Aufarbeitungskommission für das Bistum Münster erreichen Sie über die Seite https://uak-muenster.de/.

Haben Sie sexualisierte Gewalt erlitten und fühlen sich durch diesen Bericht aufgewühlt, können Sie sich an die Telefonseelsorge wenden – kostenfrei unter Tel. 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222, https://www.telefonseelsorge.de/

Haben Sie sexualisierte Gewalt außerhalb des Bistums Münster oder außerhalb der Kirche erlitten, können Sie hier Hilfe finden:
- Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung: https://www.hilfe-portal-missbrauch.de/
- NINA, Nationale Informations- und Beratungsstelle bei sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend: https://nina-info.de/
- Hilfe für Opfer von Kriminalität: https://weisser-ring.de/hilfe-fuer-opfer-0

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