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Preis für Bischof Barron: Franz-Hitze-Haus kritisiert Stiftung scharf

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Es hatte viel Kritik am Preisträger gegeben. Warum die Akademie nun die Josef-Pieper-Stiftung angreift – und was sie selbst falsch gemacht hat.

Das Franz-Hitze-Haus in Münster wirft der Josef-Pieper-Stiftung Dialogverweigerung bei der Verleihung des Josef-Pieper-Preises an den umstrittenen US-Bischof Robert Barron vor. In einer Bilanz seitens der Akademie des Bistums Münster, die Kirche+Leben vorliegt, schreibt Direktor Johannes Sabel, das Verhalten der Stiftung wirke wie eine „Abkapselung von der diskursiven Wirklichkeit“.

Die Stiftung hatte den Preis am Sonntag verliehen. Am Samstag zuvor hatte sie Räume des Franz-Hitze-Hauses für ein „Symposion“ gemietet, bei dem es Vorträge und Podiumsgespräche gab, unter anderem mit Barron selbst. Sabel schreibt, die Josef-Pieper-Stiftung habe sich „entschieden, keine Fragen seitens des Publikums zuzulassen. Es kam zu keiner gemeinsamen Diskussion.“

„Unerwartete Lesarten“ Piepers beim Symposion

Die Stiftung habe eine Chance vergeben: „Sie hätte zeigen können, dass sie in der Gegenwart steht, deren Ambivalenzen wahrnimmt, reflektiert und in den Dialog bringt.“ Dass dies ausgeblieben sei, irritiert Sabel – auch angesichts des „sehr diskussionsfreudigen Philosophen“ Josef Pieper, des Namensgebers des Preises.

Beim Symposion seien „von den Vortragenden viele, auch unerwartete Lesarten Piepers geliefert“ worden, so Sabel. Nicht zuletzt das Podiumsgespräch mit Barron habe „eine Reihe von Fragen nahegelegt“, die es wert gewesen wären, gemeinsam diskutiert zu werden.

Vor der Verleihung war Barron von katholischen Verbänden, der Katholisch-Theologischen Fakultät der Uni Münster und von gesellschaftlichen Gruppen kritisiert worden – unter anderem für seine Ansichten zu queeren Personen und seine inhaltliche Nähe zu US-Präsident Donald Trump.

„Es ging um Diskurskontrolle“

Die „Vermeidung von Diskussionsmöglichkeiten“ entspreche nicht dem Grundverständnis des Franz-Hitze-Hauses, betont Sabel. Schon vor dem Symposion – unter anderem in einem Beitrag für Kirche+Leben – sowie jetzt schreibt er, auch „kritisch zu beurteilende Positionen“ müssten „Raum in der Akademie haben“.

Das Verhalten der Josef-Pieper-Stiftung widerspreche „dem Öffentlichkeitscharakter und der grundsätzlichen Diskursoffenheit einer Akademie“. Der Eindruck verfestige sich, dass es der Stiftung „um Diskurskontrolle geht“. Sabel kündigt an, „solche Reglementierungen“ dürften in seinem Haus künftig „auch für Gasttagungen nicht mehr vorkommen“.

Kritik am Umgang mit Medien

Der Akademiedirektor kritisiert auch den Umgang der Josef-Pieper-Stiftung mit Journalisten. Sie hatte den WDR und „sogar das Medium, das dem gastgebenden Bistum angehört, Kirche+Leben“, schreibt Sabel, nicht zum Symposion, zum Gottesdienst am Sonntag und zur Preisverleihung im Priesterseminar Borromaeum zugelassen.

Sabel bilanziert, das Vertrauen des Franz-Hitze-Hauses auf Dialog beim Symposion sei „zu hoch“ gewesen. Die Akademie habe versäumt, gegenüber der Josef-Pieper-Stiftung auf eine Phase zu bestehen, „in der Fragen und Diskussion möglich werden“. Die Stiftung habe „zugleich nicht ihre Bereitschaft zu Austausch und Diskussion gezeigt“.

Kritik auch an Barron-Gegnern

Schließlich bemängelt Sabel auch das Verhalten der Barron-Kritiker. Von ihnen habe niemand das Symposion besucht. Dafür könne es individuelle Gründe geben – Sabel nennt etwa die fehlende „Lust“, sich „der erwarteten Form der Theologie“ und dem „erwarteten Blick auf Kirche und Gesellschaft auszusetzen“. Allerdings war eine Anmeldung zur Tagung nur über die Josef-Pieper-Stiftung möglich.

Der Akademiedirektor findet es falsch, Kritik allein in „Distanzgefechten“ und über Social-Media-Posts zu formulieren, ohne sich „vor Ort einen unmittelbaren Eindruck des Kritisierten zu bilden“. Zugleich betont er, Austausch sei kein Selbstzweck. Es gebe „Positionen, die mit Recht unversöhnlich sind, gerade wenn es um Fragen von Anerkennung, Menschenwürde, Demokratie geht“.

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