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Synagoge in Recklinghausen empfängt am 12. September Torarolle

Jüdische Gemeinde feiert - wegen 300.000 Buchstaben auf 40 Metern Pergament

  • Eine 40 Meter lange neue Torarolle empfängt die Jüdische Gemeinde in Recklinghausen für ihre Synagoge.
  • Die Namen der mehr als 350 Spenderinnen und Spender aus Recklinghausen, aus der Region und aus dem Ausland sind auf einer Papierrolle auf Deutsch und Hebräisch verewigt.
  • Die Feier der Einweihung der Torarolle kann über einen Livestream am 12. September 2021 verfolgt werden.
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In einer feierlichen Zeremonie wird am Sonntag, 12. September 2021, eine neue Torarolle in die Synagoge in Recklinghausen hereingetragen. Diese Torarolle wurde zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg eigens für die Jüdische Gemeinde in Recklinghausen niedergeschrieben.

„Es ist ein besonderes Gebot, das jedem Juden gegeben wurde, seine eigene Torarolle zu schreiben oder seinen eigenen Kräften entsprechend an einer Niederschrift teilzunehmen. Und wir haben, dieses Gebot erfüllend, zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkriegs eine eigene Tora geschrieben“, sagt der Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde im Kreis Recklinghausen, Mark Gutkin.

300.000 hebräische Buchstaben

Die Torarolle mit den fünf Büchern Moses wurde in Jerusalem von Hand auf Kalbsleder geschrieben. Sie ist knapp 40 Meter lang und enthält mehr als 300.000 hebräische Buchstaben.

„Eine Torarolle für den Gottesdienstgebrauch muss per Hand von einem speziell dafür ausgebildeten Schreiber geschrieben werden“, erklärt Gutkin. Das Schreiben der Torarolle dauere etwa ein Jahr und sei entsprechend teuer. Der Abschluss des Toraschreibens werde feierlich in einer Synagoge begangen. „Die letzten Buchstaben dürfen von ausgesuchten Anwesenden geschrieben werden“, so der Gemeinde-Vorsitzende.

Dank an 350 Spenderinnen und Spender

Etwa 35.000 Euro kostet die Torarolle. Das Geld haben etwa 350 Spenderinnen und Spender aus Recklinghausen und zum Teil aus dem Ausland mit kleinen und größeren Beträgen aufgebracht.

Als Dank für jede Geldgabe hat der Kantor der Gemeinde, Issac Tourgman, die Namen aller Spender in deutscher und hebräischer Schrift auf eine 20 Meter lange Papierrolle geschrieben. „Die Rolle befindet sich im Eingangsbereich der Synagoge an einem exponierten Platz“, sagt Tourgman.

Aufbewahrung im Toraschrein

Innenraum der Synagoge in Recklinghausen.
Der Innenraum der Synagoge in Recklinghausen. | Foto: Johannes Bernard

Die neue Torarolle ist die vierte im Besitz der Gemeinde. „Man kann nicht genug Torarollen haben“, sagt Gutkin und verweist auf die Bedeutung der heiligen Schriften: „Eine Torarolle darf nicht verunreinigt sein. Sie gilt uns als heilig.“

Beim Lesen der Tora-Abschnitte im Gottesdienst benutzt der Vorleser einen Torazeiger, um den heiligen Text nicht mit den Fingern zu berühren. Die Torarollen werden im Toraschrein, wie der heilige Schrank genannt wird, aufbewahrt und sind aufwändig geschmückt und geschätzt. Trägt man die Rollen für den Gottesdienst zum Lesepult, so soll man die Rolle nur an ihren Holzstäben anfassen, um das Pergament zu schonen.

Festtag im Livestream

Über den Festtag sagt Gutkin: „Ich bin mir sicher, dass unser feierliches Ereignis des Hereintragens und der Einweihung der neuen Torarolle nicht nur in die Geschichte unserer Gemeinde in goldener Schrift hineingeschrieben wird, sondern auch in die Geschichte unserer Stadt und des Kreises Recklinghausen.“

Aufgrund der geltenden Corona-Beschränkungen können an der Zeremonie nur 120 geladene Gäste teilnehmen. Um allen Interessierten eine virtuelle Teilnahme zu ermöglichen, wird ein Livestream eingerichtet. Er beginnt am 12. September um 10.45 Uhr und ist unter www.youtube.com/user/JKGKreisRe erreichbar.

Umzug durch die Innenstadt

Folgender Ablauf ist geplant: Um 10.30 Uhr treffen sich die Gäste der Zeremonie am Ort der ersten Synagoge in Recklinghausen an der Klosterstraße. Um 11 Uhr beginnt der Umzug, der über das Mahnmal der in der Pogromnacht zerstörten Synagoge zur heutigen Synagoge führt. Der Festakt im Festzelt vor der Synagoge beginnt um 11.30 Uhr. Gegen 12.30 Uhr wird die Torarolle in das Gebäude gebracht.

Die Torarolle:
Die heiligsten Schriften im Judentum sind die fünf Bücher Moses, die sogenannte Tora oder Thora. Wörtlich übersetzt heißt sie „Lehre“ oder „Gesetz“. An jedem Schabbat wird im Gottesdienst ein Wochenabschnitt vorgetragen. Alle Kapitel werden über ein Jahr verteilt gelesen. Für diese gottesdienstlichen Lesungen wird ausschließlich eine traditionelle Rolle verwendet, die von einem Toraschreiber, dem so genannten „Sofer“, von Hand in unpunktierter hebräischer Sprache auf gegerbte Tierhaut geschrieben wird. Die einzelnen Pergamentbögen werden zu einem langen Streifen vernäht, die auf zwei Holzstäbe gewickelt werden. Die Holzstäbe werden als „Bäume des Lebens“ bezeichnet. Die Torarollen werden im Toraschrein der Synagoge aufbewahrt. Um die Rollen zu schützen, werden sie in einem bestickten Stoffmantel verwahrt. Eine sogenannte silberne Hand dient als Lesehilfe, um die Handschrift nicht zu verunreinigen.

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