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Krisen prägen die Gegenwart und lassen uns manchmal verzweifeln. Wie der christliche Glaube dagegen helfen kann, sagt Verena Pfaff.
Es ist gerade wirklich schwer, hoffnungsvoll zu bleiben. Zumindest mir geht es so. Blickt man in die Welt, wirken Krisen allgegenwärtig: Kriege in der Ukraine, in Israel und Gaza, im Sudan und vielen weiteren Regionen. Die fortschreitende Klimakrise. Ein spürbarer Anstieg von Hass, Gewalt und Extremismus. Wie lässt sich da der Blick in die Zukunft richten, ohne dass Angst oder Ohnmacht überhandnehmen?
Der Beginn der Adventszeit wirkt angesichts der Weltlage fast wie ein Gegenbild: eine Zeit, die Hoffnung verspricht, während sich die Welt in vielerlei Hinsicht so hoffnungslos anfühlt. Vielleicht kommt der Advent gerade deshalb zur richtigen Zeit – als Erinnerung, die Hoffnung nicht aufzugeben und an das Gute zu glauben.
Wartezeit
Die Autorin:
Verena Pfaff studiert den Master „Christentum in Kultur und Gesellschaft“ in Münster. Neben ihrem Studium absolviert sie eine Journalismusausbildung am Institut für publizistische Ausbildung.
Der Advent ist eine Zeit des Wartens: auf Weihnachten, auf die Geburt Jesu. Auch Jesus wird nicht in eine heile Welt hineingeboren. Es ist eine Welt der Fremdherrschaft und Verfolgung. Die biblischen Texte erzählen von Menschen, die von Unsicherheit umgeben sind: Maria und Josef, die nicht wissen, wohin ihr Weg führt. Hirten, die im Dunkeln wachen. Propheten, die eine bessere Zukunft ankündigen, obwohl die Gegenwart wenig Anlass zur Hoffnung bietet. Der Advent ist keine Flucht aus der Realität. Für Christ:innen ist er die Zusage, dass Gott gerade in diese dunkle Wirklichkeit kommt.
Dieser Glaube kann uns nicht die reale Angst vor Krieg, Klimakrise und Hass nehmen. Aber er kann helfen, dem Gefühl der Ohnmacht etwas entgegenzusetzen. In einem Interview mit der „Zeit“ beschreibt die französisch-israelische Soziologin Eva Illouz Hoffnung als „emotionale Art, sich die Zukunft anzueignen“. Sie sagt: „Hoffnung ist […] organisierte Rebellion. […] Man wartet nicht auf die Katastrophe, sondern handelt – individuell und kollektiv –, um sie abzuwenden.“ Damit habe Hoffnung nicht nur eine religiöse, sondern auch eine politische Dimension.
Verantwortungsübernahme
In dieser Perspektive zeigt sich für mich, warum Hoffnung in unserer Welt so wichtig ist. Hoffnung heißt nicht, die Augen vor der Realität zu verschließen. Sie fordert uns auf, zu handeln und Verantwortung zu übernehmen. Wir alle können einen Beitrag zu einer guten Zukunft leisten, egal wie klein und unbedeutend sich dieser auch anfühlen mag. Der Advent kann dabei ein Ausgangspunkt sein: als Beginn einer Haltung der Hoffnung, die das ganze Jahr über wirksam bleibt.
„Niemand soll dich wegen deiner Jugend geringschätzen!“, ermutigt der 1. Timotheusbrief (4,12) seinen Empfänger Timotheus. Und in der 1.500 Jahre alten Benediktsregel rät der heilige Benedikt, bei wichtigen Dingen alle Brüder anzuhören, „weil der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das Bessere ist“ (RB 3,3). Darum kommen in unserer Rubrik „Der junge Kommentar“ ausdrücklich Autor:innen unter 30 Jahren mit ihrer persönlichen Meinung zu einem selbst gewählten Thema zu Wort. Sie sind ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.