Anzeige
Häufig nehmen wir christliche Feiertage gar nicht mehr bewusst wahr. Dabei lassen sie sich neu entdecken, sagt Chiara Beyer.
In diesen Wochen reiht sich ein Feiertag an den nächsten. Viele freuen sich über ein langes Wochenende, einen freien Tag mitten im Alltag oder Zeit mit Freund*innen, Familie und für sich selbst. Gerade in einer Zeit, die oft von Stress, Krisen und Unsicherheit geprägt ist, sind solche Pausen wichtig.
Dabei vergessen wir manchmal, warum wir diese Feiertage eigentlich begehen. Hinter ihnen stehen Geschichten und Erfahrungen, die das Wesen der christlichen Gemeinschaft bis heute prägen. Bei Christi Himmelfahrt steckt die Bedeutung schon im Namen: Jesus kehrt zu Gott zurück. Für die Menschen damals bedeutete das aber nicht einfach Feierlichkeit oder Hoffnung, sondern zuerst Unsicherheit. Wie sollte es jetzt weitergehen? Wer gibt Orientierung? Was bleibt von der gemeinsamen Zeit mit Jesus?
Vorbereitung auf Pfingsten
Die Autorin
Chiara Beyer ist 26 Jahre alt, hat Soziale Arbeit studiert und ist Diözesanvorsitzende des BDKJ-Diözesanverband Münster. Dort arbeitet sie viel mit engagierten jungen Menschen aus Jugendverbänden.
Genau in diesem Dazwischen liegt für mich die besondere Bedeutung von Christi Himmelfahrt. Es ist nicht nur ein Abschied, sondern auch die Vorbereitung auf Pfingsten. Die Jünger*innen blieben mit ihren Fragen zurück; wir leben zeitweise ebenfalls in Unsicherheit und im Ohnmachtsgefühl. Wie die Menschen nach Jesu Rückkehr zu Gott warten wir darauf, neu begeistert zu werden.
Die Pfingstgeschichte erzählt davon, dass der Heilige Geist Menschen neue Kraft schenkt. Aus Angst wird Mut. Aus Einzelnen wird Gemeinschaft. Menschen werden „Feuer und Flamme“ für das, woran sie glauben. Sie schöpfen neue Kraft, laut zu sein und sich einzubringen. Sie beginnen, Hoffnung weiterzugeben und sich füreinander einzusetzen.
Offen für Begeisterung
Vielleicht ist genau das auch heute die Herausforderung: offen zu bleiben für das, was begeistert. Für Menschen, die Hoffnung schenken. Für Engagement, das die Welt ein kleines Stück gerechter macht. Gerade junge Menschen zeigen jeden Tag, wie viel Kraft darin steckt, sich gemeinsam für andere einzusetzen – in Jugendverbänden, im Freundeskreis oder in der Gesellschaft.
Christi Himmelfahrt kann deshalb mehr sein als nur ein freier Donnerstag. Vielleicht ist der Feiertag auch eine Einladung, sich auf Pfingsten vorzubereiten: darauf, neue Energie zu finden, Gemeinschaft zu erleben und die Welt mitzugestalten. Denn die frohe Botschaft lebt dort weiter, wo Menschen einander Mut machen, Verantwortung übernehmen und Hoffnung verbreiten.
„Niemand soll dich wegen deiner Jugend geringschätzen!“, ermutigt der 1. Timotheusbrief (4,12) seinen Empfänger Timotheus. Und in der 1.500 Jahre alten Benediktsregel rät der heilige Benedikt, bei wichtigen Dingen alle Brüder anzuhören, „weil der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das Bessere ist“ (RB 3,3). Darum kommen in unserer Rubrik „Der junge Kommentar“ ausdrücklich Autor:innen unter 30 Jahren mit ihrer persönlichen Meinung zu einem selbst gewählten Thema zu Wort. Sie sind ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.