POLITIK

Warum wir im Angesicht der Hitze nicht resignieren dürfen

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Nur über Anpassung zu sprechen, wird dem Ernst der Klimakrise nicht gerecht. Wir müssen wieder laut werden, fordert Christina Bartholomé.

Es ist mühsam, in diesen Tagen über die Klimakrise zu sprechen. Ohnehin war die Hitze tagelang Thema Nummer Eins. Umso größer ist die Erleichterung, wenn endlich ein paar Regentropfen fallen und ein frischer Luftzug nachts durch die Wohnung ziehen kann. Wir tauschen Tipps gegen die Hitze aus, suchen den Schatten unter Bäumen und träumen von einem Sprung in den See. 

Das ist verständlich. Niemand kann dauerhaft im Krisenmodus leben. Doch wenn wir nur darüber sprechen, wie wir mit der Hitze umgehen, verlieren wir womöglich aus dem Blick, warum sie immer häufiger und intensiver wird.

Bekannte Ursachen

Die Autorin:
Christina Bartholomé studiert katholische Theologie in Würzburg und ist Stipendiatin des Instituts für publizistische Ausbildung.

Die Hitzewelle der vergangenen Tage war kein zufälliges Wetterereignis. Sie trägt die Handschrift des menschengemachten Klimawandels. Selbstverständlich brauchen wir Hitzeschutz. Krankenhäuser, Pflegeheime und Schulen müssen besser auf extreme Temperaturen vorbereitet werden. Städte brauchen mehr Grünflächen und Schatten, besonders gefährdete Menschen besonderen Schutz.

Aber wenn wir nur noch über Klimaanpassung sprechen, werden wir der Krise nicht gerecht. Die Ursachen der Erderwärmung sind seit Langem bekannt. Die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas ist einer der zentralen Treiber, hinzu kommen die Abholzung von Wäldern, Emissionen aus Landwirtschaft und Verkehr, ressourcenintensiver Konsum. Und viel Bewusstsein ist in den vergangenen Jahren schon gewachsen, auch in Kirchengemeinden und Bistümern sind Klimaschutzkonzepte entstanden. Das ist gut und wichtig.

Andere Prioritäten

Doch die politischen Hebel und die Hauptverursacher der Krise scheinen zunehmend aus dem öffentlichen Bewusstsein zu verschwinden. Die großen Demonstrationen der Fridays-for-Future-Bewegung sind seltener geworden, politische Prioritäten haben sich verschoben.

Dabei rückt das Ziel des Pariser Klimaabkommens, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen, immer weiter außer Reichweite. Weltweit werden klimapolitische Fortschritte infrage gestellt oder zurückgenommen. Auch in Deutschland wird wieder intensiver über fossile Energieträger diskutiert, statt den Umstieg auf erneuerbare Energien entschlossen voranzutreiben.

Dabei müsste eine Hitzewelle wie diese uns gerade wachrütteln. Nicht in Resignation zu verfallen, sondern erneut laut zu werden. Für wirksamen Klimaschutz. Für politische Entscheidungen, die die Ursachen der Klimakrise bekämpfen, statt sich allein mit ihren Folgen abzufinden. Der nächste Klimastreik kommt bestimmt, seien wir da auch als Christinnen und Christen präsent!

„Niemand soll dich wegen deiner Jugend geringschätzen!“, ermutigt der 1. Timotheusbrief (4,12) seinen Empfänger Timotheus. Und in der 1.500 Jahre alten Benediktsregel rät der heilige Benedikt, bei wichtigen Dingen alle Brüder anzuhören, „weil der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das Bessere ist“ (RB 3,3). Darum kommen in unserer Rubrik „Der junge Kommentar“ ausdrücklich Autor:innen unter 30 Jahren mit ihrer persönlichen Meinung zu einem selbst gewählten Thema zu Wort. Sie sind ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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