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Junge Männer fordern auf Instagram zum Gottesdienstbesuch auf. Mit einer wohlwollenden Einladung hat das jedoch nichts zu tun, sagt Johanna Müller.
In den vergangenen Wochen hatte ich sie immer wieder in meinem Instagram-Feed: Junge Männer, die zum Gottesdienstbesuch einladen. Ihr Ziel: die katholischen Kirchen in Deutschland wieder voll machen.
Ein Beispiel aus Düsseldorf: Sieben junge Männer stehen breitbeinig in einer Reihe vor einer Kirchentür. Einer von ihnen spricht energisch in die Kamera: „Wir sind ‚Katholisch in Düsseldorf‘. Und wie der Name schon sagt, wir sind katholisch, hier in Düsseldorf.“ Danach folgt ein Aufruf an junge Menschen, gemeinsam die Heilige Messe zu besuchen. Dem Beispiel aus Düsseldorf sind einige gefolgt, sodass es jetzt auch Gruppen in Berlin, Hannover oder im Saarland gibt.
Sie richten sich mit ihren Videos insbesondere an junge Männer: „Was macht ihr zuhause? Warum kommt ihr nicht in die Messe?“ Und schließlich: „Mann zu sein bedeutet, sich demütig gegenüber Gott zu geben, als Werkzeug zu dienen und die Menschen wieder zurück zur Tradition, zu echten Werten, zu bringen.“ In anderen Videos adressieren sie gleichermaßen Menschen anderer Religionen und queere Menschen. Sie fordern sie auf, sich ihnen anzuschließen. Nur der Katholizismus könne sie in die Wahrheit führen, nur Jesus sie von ihren Sünden befreien.
Widerspruch zum Evangelium
Die Autorin
Johanna Müller (22) studiert katholische Theologie in Tübingen und ist Stipendiatin des Instituts für publizistische Ausbildung (ifp). Sie kommt aus dem Bistum Münster und war jüngstes Mitglied der Vollversammlung des Synodalen Wegs.
Der Auftritt auf Instagram zeigt eine unheilvolle Symbiose von toxischer Männlichkeit, reaktionärem Traditionalismus, Queerfeindlichkeit und Chauvinismus. Sie laden alle ein, während sie zugleich viele ausschließen. Das ist paradox – und steht im Gegensatz zur Botschaft des Evangeliums, die Ausgegrenzte in den Mittelpunkt stellt.
Perspektivwechsel: Sichtbarkeit auf Social Media ist doch gut für die Kirche – und wenn junge Menschen dadurch wieder den Weg in die Messe und Halt im Glauben finden, dann ist das doch ein Erfolg. Doch so einfach ist es nicht. Denn welche Botschaft transportieren die Videos eigentlich?
Das, was diese Männergruppen posten, hat nichts mit einer wohlwollenden Einladung zu tun. Sie erheben einen Wahrheitsanspruch und überheben sich dabei über andere. Zum Glück hat sich die Amtskirche mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil von der Vorstellung, außerhalb der Kirche gäbe es kein Heil, abgewandt. Aber vorkonziliare Positionen scheinen gerade wieder im Trend zu liegen. Da fragt man sich unwillkürlich: Wie katholisch ist das Selbstverständnis von „Katholisch in Düsseldorf“ wirklich?
„Niemand soll dich wegen deiner Jugend geringschätzen!“, ermutigt der 1. Timotheusbrief (4,12) seinen Empfänger Timotheus. Und in der 1.500 Jahre alten Benediktsregel rät der heilige Benedikt, bei wichtigen Dingen alle Brüder anzuhören, „weil der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das Bessere ist“ (RB 3,3). Darum kommen in unserer Rubrik „Der junge Kommentar“ ausdrücklich Autor:innen unter 30 Jahren mit ihrer persönlichen Meinung zu einem selbst gewählten Thema zu Wort. Sie sind ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.