GLAUBE

Einfache Sprache macht den Zauber der Bibel zunichte

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Auf viele Menschen wirken die biblischen Bücher oft schwer lesbar. Joshua Nieland warnt dennoch mit Blick auf Gott vor allzu schnellen Anpassungen.

Aussagen wie „die alten Texte der Bibel versteht doch keiner mehr, die muss man doch mal in moderne Sprache bringen“ hat bestimmt jeder schon einmal generationenübergreifend gehört. Nicht nur in kirchlichen Kreisen gibt es Widerstände, Texte in ihrer herkömmlichen Form zu lesen und zu verstehen. Auch auf anderen Feldern der Literatur erfahren wir zum Beispiel bei Goethe und Schiller Forderungen, ihre Schriften in „einfacher Sprache“ zu vermitteln. Diese Entwicklungen betrachte ich mit Sorge, da sie neben unserer Bildung auch unsere Gottesbeziehung betreffen.

Ich möchte dazu aufrufen, sich persönlich mehr mit dem Wort Gottes zu beschäftigen, es zu entdecken und einen individuellen Zugang zur Selbstoffenbarung Gottes zu finden, um eine tragfähige Gottesbeziehung zu entwickeln. Es ist spannend, sich damit auseinanderzusetzen und Gott auf die Spur zu kommen, wobei der Austausch mit anderen essenziell ist.

Reiz des Wunderbaren

Der Autor
Joshua Nieland ist 22 Jahre alt und arbeitet als Fachinformatiker in Münster. Er kommt aus der Pfarrei St. Laurentius Senden und engagiert sich dort ehrenamtlich im Rahmen der Jugend- und Öffentlichkeitsarbeit.

Immer wieder mache ich positive Erfahrungen, wenn ich mich zum Glaubensaustausch treffe. Das Wort Gottes betrachte ich wie ein großes Geschenk, das „ausgepackt“ werden möchte. Wenn ich mit Freunden und Seelsorgern über die biblischen Texte spreche und Fragen stelle, kann ich im Glauben gestärkt werden. Auch die Sonntagspredigt, die eine Auslegung der Schrift anbietet, erschließt komplexe Zusammenhänge.

Der Reiz, etwas Wunderbares zu entdecken, darf einfach nicht verloren gehen. Wo bliebe der Raum für den persönlichen Zugang, wenn schon alles fertig serviert würde? Wäre es nicht noch eintöniger, wenn bereits eine Interpretationsrichtung vorgegeben würde? Das Wort Gottes wirkt auf jeden Menschen anders. Das ist doch gerade so interessant.

Drohender Verlust

Zu stark veränderte Bibeltexte verlieren ihren Zauber und bergen zudem die Gefahr, dass wichtiger christlicher Wortschatz verloren geht und die eigentliche Botschaft vernebelt wird. Wie schön ist es von „Jüngern“ und nicht einfach nur von „Freunden“ zu sprechen, ersteres bringe ich seit jeher mit Jesus in Verbindung.

Wichtig ist in meinen Augen auch, mit welcher Einstellung man an die kostbarsten Texte der Christenheit herangeht. Wenn ich sie für alte, langweilige Geschichten halte, hilft auch keine „Vereinfachung“. Ist es aber das Wort Gottes, das sich an mich heute wendet, dann kann ich seine Liebe hautnah spüren – so sagt schon der heilige Augustinus: „Wir wollen das Evangelium hören, als wäre der Herr zugegen.“

„Niemand soll dich wegen deiner Jugend geringschätzen!“, ermutigt der 1. Timotheusbrief (4,12) seinen Empfänger Timotheus. Und in der 1.500 Jahre alten Benediktsregel rät der heilige Benedikt, bei wichtigen Dingen alle Brüder anzuhören, „weil der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das Bessere ist“ (RB 3,3). Darum kommen in unserer Rubrik „Der junge Kommentar“ ausdrücklich Autor:innen unter 30 Jahren mit ihrer persönlichen Meinung zu einem selbst gewählten Thema zu Wort. Sie sind ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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