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Sind Angriffe auf den Iran gerechtfertigt? Der Militärbischof äußerte sich klar. Julius Kreiser ist für dessen Positionen dennoch nicht nur dankbar.
Seit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran überschlagen sich die Ereignisse. Täglich erreichen uns neue Meldungen über weitere Eskalationen und Katastrophen. Die Preise an den Tankstellen sind bereits gestiegen und doch ist uns das volle Ausmaß der ökonomischen Folgen dieses Krieges noch kaum bewusst. Wir spüren jedoch alle, dass er unsere ohnehin fragile Welt weiter ins Wanken bringt.
Umso wichtiger ist es, dass prominente katholische Stimmen wie der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck diesen Angriff klar als das benennen, was er ist: völkerrechtswidrig. So autoritär und problematisch das iranische Regime auch sein mag – beim Völkerrecht darf es keine beliebigen Ausnahmen geben. Andernfalls droht es, seine Gültigkeit insgesamt zu verlieren. Overbeck steht mit dieser Einschätzung nicht allein, sondern folgt der diplomatischen Linie des Heiligen Stuhls. Auch Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin verurteilte den Völkerrechtsbruch.
Blinde Aufrüstung
Der Autor
Julius Kreiser ist Pastoralassistent der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Er studierte katholische Theologie unter anderem in Tübingen und ist seit vielen Jahren in der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) aktiv.
Bedauerlich ist jedoch, dass Overbeck sich dem reflektierten Pazifismus des Vatikans offenbar nicht in allen Punkten anschließt. Papst Leo XIV. warnte anlässlich des letzten Weltfriedenstages eindringlich vor der weltweit zunehmenden Aufrüstung. Overbeck äußerte hierfür zwar Verständnis, bleibt aber in seiner Haltung weniger eindeutig. Es geht dabei nicht um eine bedingungslose Loyalität des deutschen Episkopats gegenüber dem Papst, sondern um die grundsätzliche Frage nach den Gefahren einer unreflektierten Aufrüstung.
Zweifellos kann ein militärisch starker Staat potenzielle Angreifer abschrecken. Doch zugleich wächst mit militärischer Stärke auch die Bereitschaft, diese Mittel aktiv einzusetzen. Deshalb muss die Frage erlaubt sein, ob es klug ist, die Bundesrepublik Deutschland ausgerechnet in einer Phase tiefgreifender politischer Verschiebungen massiv aufzurüsten. Ist es nicht riskant, einer möglichen AfD-Regierung eine der schlagkräftigsten konventionellen Armeen Europas zu überlassen? Und selbst dieses Szenario liegt womöglich näher, als man hoffen möchte. Auch eine CDU-geführte Regierung könnte sich früher oder später veranlasst sehen, die „Drecksarbeit“ selbst zu übernehmen.
Gerade in Zeiten internationaler Krisen sollte es Aufgabe katholischer Würdenträger sein, eindringlich auf die Gefahren weiterer Eskalation hinzuweisen. Die katholische Kirche ist eine Weltkirche und sie weiß, dass internationale Solidarität nicht an nationalen Grenzen enden darf.