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In Singapur sind Gemeinden und Bistümer ganz anders aufgestellt. Was Noah Walczuch aus einem Seelsorgepraktikum dort mitnimmt.
In der Osternacht tauft das Erzbistum Singapur 1.250 Menschen. Die meisten davon sind Erwachsene. Während meines Praktikums in der Auslandsseelsorge habe ich dort eine Kirche erlebt, die wächst. Die einfache These, Wohlstand führe zwingend zur Glaubensferne, hält der Stadtstaat nicht stand. Was ist anders? Vieles.
Aber eine Beobachtung lässt mich nicht los: Ganz viele Verantwortungsträgerinnen und -träger sind ehrenamtlich. Der Domorganist. Die Redakteure der Bistumszeitschrift. Die Leiterin des Domchors, die neben ihrem Beruf als Orgellehrerin mehrere Stunden pro Woche investiert. Auf das Warum antwortet sie nüchtern: „Weil ich mich dazu berufen fühle.“ Ist die viele ehrenamtliche Arbeit ein notwendiges Übel knapper Kassen oder ein Wachstumsfaktor, von dem die deutsche Kirche lernen könnte?
6,62 Milliarden Euro hat die katholische Kirche in Deutschland 2024 an Kirchensteuern eingenommen – nahe am Rekordwert von 2022. Die Mitgliederzahl ist von 28,3 Millionen 1990 auf 19,8 Millionen 2024 gefallen. Noch fließt das Geld, weil die lohnsteuerpflichtigen Jahrgänge mit hohen Einkommen noch da sind. Aber sie gehen bald in Rente. Das eigentliche Problem: Die Einnahmen spiegeln nicht mehr wider, wie viele sich der Kirche zugehörig fühlen.
Neuentdeckung der Taufwürde
Der Autor:
Noah Walczuch studiert seit 2022 Theologie in Regensburg, Jerusalem und Rom und engagiert sich in KSJ, Diözesankomitee, ZdK und Synodenteam Regensburg.
Im Synodenteam unseres Bistums entwickeln wir gerade einen Leitfragenkatalog für alle kirchlichen Institutionen. Eine Frage lautete: „Wenn wir uns morgen auflösen würden – was würde den Menschen in unserem Umfeld wirklich fehlen?” Eine ehrliche Antwort kann weh tun. Nicht alles, was finanziert wird, hinterlässt Spuren.
Synodalität heißt für mich vor allem die eigene Taufwürde zu entdecken und zu verwirklichen. Alle Getauften sind berufen zum Priester-, Königs- und Prophetenamt. Das ist ein Lebensauftrag. In Singapur stellt niemand die Frage: „Was gibt die Kirche mir?” Die Frage lautet: „Was kann ich ihr geben, damit sie Zukunft hat?” Eine Gemeinschaft wird verlebendigt von denen, die sich einbringen – nicht von denen, die zahlen, ohne sich zu zeigen, so wichtig diese auch sind.
Vorbereitung auf die Zukunft
Ich plädiere nicht für die schnelle Abschaffung der Kirchensteuer. Aber wir müssen ehrlich fragen, was sie heute noch trägt und was sie nur künstlich am Leben hält. Die Kirche der Zukunft wird von wenigen Hauptamtlichen und vielen engagierten Ehrenamtlichen getragen. Wenn Reformen erst kommen, wenn das Geld fehlt, ist es zu spät. Dann handelt man aus Druck statt aus Überzeugung. Die Kirche muss auf diese Zukunft vorbereitet sein und nicht von ihr überrascht werden. In Singapur wurden am 4. April 1.250 Menschen getauft. Ohne Kirchensteuer.
„Niemand soll dich wegen deiner Jugend geringschätzen!“, ermutigt der 1. Timotheusbrief (4,12) seinen Empfänger Timotheus. Und in der 1.500 Jahre alten Benediktsregel rät der heilige Benedikt, bei wichtigen Dingen alle Brüder anzuhören, „weil der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das Bessere ist“ (RB 3,3). Darum kommen in unserer Rubrik „Der junge Kommentar“ ausdrücklich Autor:innen unter 30 Jahren mit ihrer persönlichen Meinung zu einem selbst gewählten Thema zu Wort. Sie sind ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.