ZUKUNFT DER KIRCHE

Ritualkompetenz für alle!

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Pastorale Mitarbeitende kennen sich mit Spiritualität aus. Aber die Kirche sollte auch andere Gläubige dazu ermutigen, sagt Rebecca Lögers da Silva.

Aktuell ist mein Lieblingsthema „Ritualkompetenz“. Was ich damit meine, ist: Die Fähigkeit, Rituale für eine bestimmte Zielgruppe – auf sie angepasst – zu gestalten und durchzuführen. Und was ich mit „Rituale“ hier meine, ist: Erstens eine spirituelle Einheit, die ihrer Zielgruppe zweitens Deutungsangebote für Situationen im Leben macht und sie drittens dabei unterstützt, ihre Emotionen zu bewältigen. 

So ein Ritual kann ein spiritueller Impuls am Anfang einer Leitungsrunde der Messdiener*innen oder zum Abschluss einer Gruppenstunde der Katholischen jungen Gemeinde sein. Es kann auch ein Morgenimpuls im Pfadfinder*innen-Lager sein oder der Erntedank-G*ttesdienst der Landjugend.

So ein Ritual kann auch ein Frauen-Heilungskreis im Yogastudio (oder der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands?) sein. Es kann eine Achtsamkeitsübung mitten in der Gemeinderatssitzung sein und die Fronleichnams-Prozession. Auch eine christliche Eheschließung oder Paarsegnung ist ein solches Ritual. Da gibt es unzählige Möglichkeiten, was zählt, ist erstens ein spiritueller Rahmen, zweites eine Botschaft, die Möglichkeiten anbietet, Situationen im eigenen Leben zu deuten und drittens Raum für die Emotionen der Teilnehmer*innen.

Vielfalt auch bei Ritualen

Die Autorin
Rebecca Lögers da Silva studiert katholische Theologie in Münster und arbeitet als Referentin für Christliche Rituale im Bistum Osnabrück.

Nun dazu, warum es aktuell mein Lieblingsthema ist: Ich glaube, dass wir viel mehr Ritualkompetenz vermitteln sollten. Ich finde nicht, dass pastorale Mitarbeitende die einzigen sein sollten, die diese Kompetenz besitzen, die einzigen sein sollten, die Methoden, Symbole und Deutungsangebote kennen. Ich glaube daran, dass es wertvoll ist, wenn zwei Leiter*innen gemeinsam mit der Pastoralreferentin den G*ttesdienst planen, weil sie ihre Leitungsrunde und Gruppenkinder kennen. Oder wenn ein Leiter in der nächsten Leitungsrunde selbst einen Impuls zu Beginn anbietet.

Ich glaube an Vielfalt – generell, aber besonders bei diesem Thema –, weil ein Ritual nie alle ganz genau da erreicht, wo sie sich gerade mit ihren Emotionen und Gedanken befinden. Aber das nächste könnte was sein, oder das danach. Wir haben doch so viele verschiedene Formate, Themen, Methoden und Symbole zu bieten – und wir haben so viele engagierte Menschen, die ihre je eigenen Themen und Ideen haben.

Ich bin ganz klar dafür: Ermutigen wir mehr Menschen, sich auszuprobieren und gemeinsam mit anderen ein Ritual zu gestalten. Und dafür ist eben wichtig, dass „wir“ als Menschen, die für Kirche arbeiten – als Referent*innen, als pastorale Mitarbeitende –, den Ehrenamtlichen was an die Hand geben; Methoden-Wissen, ein bisschen theologisches Wissen und ganz viel Ermutigung!

„Niemand soll dich wegen deiner Jugend geringschätzen!“, ermutigt der 1. Timotheusbrief (4,12) seinen Empfänger Timotheus. Und in der 1.500 Jahre alten Benediktsregel rät der heilige Benedikt, bei wichtigen Dingen alle Brüder anzuhören, „weil der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das Bessere ist“ (RB 3,3). Darum kommen in unserer Rubrik „Der junge Kommentar“ ausdrücklich Autor:innen unter 30 Jahren mit ihrer persönlichen Meinung zu einem selbst gewählten Thema zu Wort. Sie sind ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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