Bezirk Hamm / Münster / Warendorf nach Corona-Ausbruch bei Tönnies

KAB: Werkverträge auch außerhalb der Schlachthöfe verbieten

Nach dem Corona-Ausbruch in der Tönnies-Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück fordert die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) der benachbarten Region ein gesetzliches Verbot sämtlicher Werkverträge. Diese seien „auch außerhalb der Fleischindustrie sofort zu verbieten“, heißt es in einem Brief des KAB-Bezirks Hamm / Münster / Warendorf an Politik, Wirtschaft und Verbraucher. Der Verband ruft alle Menschen auf, ihr „Kauf- und Ernährungsverhalten zu überprüfen“.

Bei Tönnies hatte sich das Corona-Virus vor allem unter Arbeitern verbreitet, die über Werkverträge bei Subunternehmern beschäftigt sind. Mehr als 1.500 Menschen sind infiziert. Um den Ausbruch einzudämmen, verhängten die Behörden einen Lockdown für die Kreise Gütersloh und Warendorf.

„Geduldete Ausbeutung“

Weiter verlangt die KAB, Sub- und Sub-Subunternehmertum zu beenden: „Hier wird geduldete Ausbeutung betrieben!“ Die Politik kenne die Strukturen lange. Die KAB schreibt: „Viel zu lange haben auch wir nicht genau hingesehen und die Missstände hingenommen.“

Notwendig sei „voller Lohnausgleich“ für alle Menschen, die wegen der „ausbeuterischen Strukturen und der nicht eingehaltenen Hygienemaßnahmen in Quarantäne verharren müssen“. Zudem müssten Arbeitsmigranten menschenwürdig und bezahlbar wohnen können.

Nicht der erste Fall – es gab Warnungen

Schon vor dem Fall Tönnies hatte es Corona-Ausbrüche in Fleischbetrieben in Coesfeld und Oer-Erkenschwick gegeben. Experten sehen sie durch die Arbeitsbedingungen in den Fabriken und die beengten Wohnverhältnisse der Werkvertragsarbeiter begünstigt, die oft aus Osteuropa stammen. Der Lengericher Pfarrer Peter Kossen, der sich seit Jahren für Arbeitsmigranten einsetzt, hatte bereits vor Beginn der Pandemie vor Corona-Ausbrüchen in Schlachthöfen gewarnt.

UPDATE: Der KAB-Bezirk Coesfeld erklärt, den Brief des Bezirks Hamm / Münster / Warendorf vollumfänglich zu unterstützen.