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Magdalene Heinze aus Velen wirbt für ein ökologisches Umdenken

Kampf gegen Plastikmüll auf Friedhöfen – Was tun mit Grablichtern?

  • Die roten Kunststoff-Hüllen von Grablichtern können zum Umweltproblem werden.
  • Darauf weist Magdalene Heinze aus Velen hin.
  • Sie will Pfarreien, Kommunen und die Bistumsverwaltung für ein „ökologisches Umdenken“ auf Friedhöfen gewinnen.
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Dem Plastikmüll auf Friedhöfen den Kampf angesagt hat Magdalene Heinze. Die Umweltschützerin aus dem westmünsterländischen Velen möchte den durch Grablampen verursachten Müll auf den kircheneigenen und städtischen Friedhöfen reduzieren und bei der Gräbergestaltung ökologische Standards einführen.

„Es klingt so einfach und ist doch so schwer: Warum können die Rasenflächen auf den Friedhöfen nicht zu Bienenweiden werden? Warum können wir Plastiklampen nicht durch Bienenwachsteelichte in den Grablaternen ersetzen?“, fragt sie.

Aktiv im Umweltschutz

Die 63-jährige Kräuterpädagogin und Mitarbeiterin der Biologischen Station im Zwillbrocker Venn, einem Naturschutzgebiet bei Vreden, ist in den letzten Wochen aktiv geworden und hat mehrere Pfarreien und Mitarbeiter der Bistumsverwaltung in Münster angeschrieben, um auf das Problem von Plastikmüll auf Friedhöfen hinzuweisen.

Besonders ärgerlich findet sie den Trend zu Grablichtern mit LED-Lämpchen und Batterien. Damit entstehe neben dem Plastikmüll auch Elektroschrott, der oft von den Gärtnern wieder eingesammelt und entsorgt werden müsse. Eine Alternative zu den Einweg-Plastikhüllen seien Kompositions-Öllichter in einem Glas.

Magdalene Heinze
Magdalene Heinze möchte Friedhöfe ökologischer gestalten und wirbt für alternative Teelichte. | Foto: Johannes Bernard

Plastiklampen im Biomüll

Friedhöfe könnten im Sinn des Umweltschutzes besser gestaltet werden, wenn mehr Grünflächen um den Friedhof herum entstünden. Gräber könnten natürlicher mit insektenfreundlichen Pflanzen, also mit Naturwiesen und -beeten, angelegt würden, meint Heinze. „Kies sollte keinen Platz auf Friedhöfen haben. Die Plastiklampen sind überflüssig und umweltschädlich. Die Ansammlung von Bergen aus Plastikhüllen in den Containern, die regelmäßig überquellen, zeigen das Ausmaß.“

Oft erfahre sie, dass Plastikhüllen im Biomüll landeten. „Dann müssen die Friedhofsgärtner diese auch noch herausnehmen. Gräberfelder dürfen meiner Meinung nach auch Wildblumenwiesen sein“, meint die Velenerin.

Bürokratie und Satzungsfragen

Ihre Vorschläge seien bei kommunalen und kirchlichen Stellen mit viel Verständnis aufgenommen worden, „aber die deutsche Bürokratie hat mir gezeigt, dass ich nicht nur die Ortspfarrer und die Gemeinden ansprechen muss“, sagt Heinze. Auf Bistumsebene müsse sich etwas ändern „zum Wohl einer umweltfreundlicheren Friedhofsordnung“.

Vom Bistum habe sie die Antwort bekommen, dass allein die Kirchengemeinden die Friedhofssatzung regeln. Denn die Kirchengemeinden seien Körperschaften öffentlichen Rechts. Daher hätten sie durch das Bestattungsgesetz bei Friedhofssatzungen Selbstverwaltungsrechte, in der ein Bistum nicht ohne Rechtsgrund eingreifen könne, so eine Mitteilung.

Umdenken für mehr Naturschutz

„Besondere ökologische Vorgaben muss daher die Friedhofssatzung formulieren“, hat die Umweltaktivistin erfahren, die vor einigen Jahren den Umweltpreis der Gemeinde Velen erhielt. Dass allmählich auf allen Ebenen ein Umdenken in Richtung Naturschutz stattfinde, gebe ihr Hoffnung.

So wird beispielsweise in Hamburg die „Verwendung von nicht kompostierbaren Materialien bei der gärtnerischen Gestaltung von Grabstätten einschließlich der Trauerfloristik nicht gestattet“, wie es in der städtischen Friedhofssatzung heißt. Plastik-Grablichter würden aber geduldet.

Kirchen könnten vorbildlich handeln

Rasenflächen auf Friedhöfen könnten bepflanzt werden und zu Blumenwiesen für Wildbienen werden. | Foto: Johannes Bernard
Rasenflächen auf Friedhöfen könnten bepflanzt werden und zu Blumenwiesen für Wildbienen werden. | Foto: Johannes Bernard

Die Kirchen müssten mit gutem Beispiel vorangehen, findet Heinze. Wenn es bistumsweit eine Veränderung bei den Grablichtern gäbe, dann würde das Bistum Münster doch einen sehr guten Eindruck machen.

„Ein vorbildlicher Beitrag zum Umweltschutz wäre doch mal eine positive Meldung aus dem Kirchenbereich“, meint Magdalene Heinze, die als Mitglied der Katholischen Frauengemeinschaft (KFD) und als Sympathisantin der Reformbewegung Maria 2.0 an einer „glaubwürdigen Kirche“ mitwirken möchte. In diesen Fragen ist sie mit ihrem Mann Paul Heinze im Austausch, der seit vielen Jahren im Kirchenvorstand aktiv ist.

Opferkerzen werden wieder aufgefüllt

In der Pfarrei in Velen gibt es bereits Verbesserungen: So werden in den drei Kirchorten bei den Opferstock-Kerzen Plastikhüllen verwendet, die nach Ausbrennen zu einer Kerzenmanufaktur nach Hopsten geschickt werden. Dort werden sie wieder gefüllt.

Bei landwirtschaftlichen Grundstücken hat Magdalene Heinze ebenfalls einen Tipp: „Bei der Verpachtung müsste geprüft werden, ob die Bewirtschaftung der Flächen mit bienenfreundlichen Unkrautvertilgungsmitteln und der ökologische Anbau möglich ist und verbindlich umgesetzt werden kann.“

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