Erfahrungen und Tipps aus dem Bistum Münster

Kandidaten für die Wahl zum Pfarreirat im Telefonbuch gesucht

In Langförden und Bühren nahe Vechta haben sie ins Telefonbuch geguckt, um Kandidaten für den Pfarreirat zu finden. Pfarrer Ralph Forthaus staunt noch immer über diese Idee: „Die Mitglieder in unserem Wahlausschuss sind so gut vernetzt, dass sie die Bewohner der Orte fast alle persönlich kennen.“ Knapp 30 Namen habe die Telefonbuch-Suche ergeben, und diese Liste werde jetzt „abgearbeitet“.

Dass diese Idee in großen Städten nicht funktioniert, ist dem Pfarrer klar. Einen Vorteil habe sie aber: „Wir sprechen so auch Leute wegen einer Kandidatur an, an die bisher noch niemand gedacht hat.“

Viele machen weiter

Denn es ist nicht gerade einfacher geworden, Kandidaten für die Wahl zum Pfarreirat am 11. und 12. November zu finden. Diesen Eindruck formulieren Pfarrei-Vertreter quer durch das Bistum Münster. Während in den 38 Pfarreien, die ausschließlich per Brief wählen, die Wahllisten schon aushängen, geht die Suche in der Mehrzahl der Gemeinden derzeit in die heiße Phase. Ende September sollen die Listen fertig sein (siehe Kasten).

Für einige Erleichterung sorgt, dass sich manches langjährige Pfarreirats-Mitglied erneut zur Wahl stellt. „Die Arbeit macht ja auch Spaß“, sagt Karoline Borchert, Pfarreirats-Vorsitzende in St. Georg Hopsten im Kreisdekanat Steinfurt.

Wie soll man Jüngere motivieren?

Cornelia Graßhoff, Pfarreirats-Vorsitzende in St. Anna Issum und Sevelen am Niederrhein, berichtet aber auch von der Bereitschaft zurückzustecken: „Ich mache meinen Platz sofort frei, wenn ihr Jüngere findet“, habe eine Seniorin gesagt, die schon lange dem Pfarreirat angehört.

Jüngere zu motivieren, scheint kompliziert. Hildegard Wonnemann ist Verwaltungsreferentin der Pfarrei St. Bartholomäus in Ahlen im Kreisdekanat Warendorf und Mitglied im Wahlausschuss dort. Bei den 20- bis 40-Jährigen gebe es „so ein bisschen ein Loch“, sagt sie. Viele seien gerade Eltern geworden, zudem seien sie beruflich stark eingespannt.

Eltern aus dem Kindergottesdienst-Kreis

In Hopsten sollen aber gerade die jungen Familien angesprochen werden: „Bei uns gibt es eine aktive Gruppe von Eltern, die Krabbel- und Kindergottesdienste vorbereiten“, erzählt Karoline Borchert. Vielleicht sei unter ihnen jemand, den der Pfarreirat interessiere.

Lassen sich noch jüngere Kandidaten finden? „Wir hatten zuletzt zwei Leute unter 20 im Pfarreirat“, berichtet Hildegard Wonnemann aus Ahlen. Solche Engagierten kämen oft von den Messdienern oder aus den Verbänden. Vielleicht gelinge es, die jungen Erwachsenen zu halten, auch wenn sie eine Ausbildung beginnen, hofft Wonnemann: „Auch viele Ahlener, die in Münster studieren, pendeln weiter.“

Verständnis für das Zögern bei Jugendlichen

Pfarrer Forthaus aus der Nähe von Vechta würde auch Verständnis zeigen, wenn Jugendliche die vier Jahre Wahlperiode nicht durchhalten: „Wenn sie wegen Ausbildung oder Studium wegziehen, dann müssen wir im Pfarreirat schauen, wen wir nachberufen können.“ Ziel sei auf jeden Fall, Jugendliche im Gremium zu haben.

Fast überall gibt es „Multi-Funktionäre“, die sich nicht nur im Pfarreirat, sondern auch im Kolping-Vorstand oder in anderen Verbänden engagieren. „Wir wollen die Ehrenamtlichen nicht überfordern“, betont Hildegard Wonnemann. Deshalb werde mancher gar nicht erst angesprochen: „Der tut ja eh schon viel“, beschreibt Cornelia Graßhoff.

Zuversicht bleibt

Dennoch schaut sie sonntags manchmal mit Hintergedanken auf die Messbesucher: „Der Hintergrund und die Anbindung zur Gemeinde, das muss ja schon irgendwie da sein.“

Ihren Optimismus lassen sich die Kandidaten-Sucher aber nicht nehmen. „Ich bin ganz zuversichtlich“, sagt Hildegard Wonnemann und verweist auf die Größe der Pfarrei in Ahlen. Karoline Borchert berichtet aus Hopsten: „Wir haben ja auch noch nicht alle angesprochen, die wir so im Kopf haben.“

Die Termine für die Kanidaten-Kür
Die Pfarreiräte werden im Bistum Münster am 11. und 12. November 2017 gewählt. Die 38 Pfarreien, die ausschließlich per Brief wählen, müssen dem Zeitplan der anderen Gemeinden einige Wochen voraus sein. In diesen Pfarreien hängen die Kandidatenlisten bereits öffentlich aus, bis Anfang September können Kandidaten nachnominiert werden. Am 10. September müssen die Kandidatenlisten im Generalvikariat in Münster sein, da es Zeit braucht, die allgemeine Briefwahl für jede der 38 Pfarreien vorzubereiten – zum Beispiel Stimmzettel zu drucken und zu sortieren, die an jeden katholischen Wahlberechtigten gesandt werden.
Die Mehrheit der Pfarreien, die „klassisch“ an der Wahlurne abstimmt, hat noch etwas länger Zeit: Bis zum 30. September müssen die Wahlausschüsse ihren Vorschlag für die Kandidatenliste fertig haben. Die Liste hängt 14 Tage aus und kann ergänzt werden. Bis zum 21. Oktober muss die endgültige Kandidatenliste stehen.