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Zur Pfarreiratswahl 2021 im Bistum Münster

Kandidatin Andrea Janssen möchte „die Kirche im Dorf lassen“

  • In der Pfarrei „Zur Heiligen Familie“ im niederrheinischen Kleve kandidiert Andrea Janssen für den Pfarreirat.
  • Die 46-jährige Bankkauffrau setzt sich für den Erhalt der derzeit geschlossenen Herz-Jesu-Kirche im Klever Ortsteil Reichswalde ein.
  • Die Kandidatin hofft auf Kirchenreformen und auf ein Gelingen des Synodalen Wegs.
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„Wünschen wir den mutigen Klerikern, die in der Kirche Reformen anstoßen wollen, viel Kraft für ihren Einsatz!“, sagt Andrea Janssen über Synodalen Weg, mit dem in der deutschen Kirche Reformfragen diskutiert werden. Die 46-jährige Bankkauffrau kandidiert bei den Wahlen zu den kirchlichen Gremien am 6./7. November 2021 für den Pfarreirat in der Pfarrei „Zur Heiligen Familie“ in Kleve.

Dass Andrea Janssen in der Kirche selbst etwas anstoßen möchte, liegt in ihrem Optimismus begründet und an ihren Erfahrungen, wie wertvoll eine kirchliche Gemeinschaft sein kann, auch wenn ihrer Meinung nach so einiges im Argen liegt – lokal wie gesamtkirchlich.

 

Unverständnis über Kirchenschließung

 

„Vor allem die Jahre 2018/ 2019 waren hier in Kleve von sehr viel Unruhe geprägt. Erst die Entpflichtung unseres Pfarrers im Januar 2018 und dann im Mai 2018 die unangekündigte Schließung unserer geschichtlich wie seelsorgerisch bedeutsamen Herz-Jesu-Kirche im Ortsteil Reichswalde - das ließ die Gläubigen fragend zurück“, sagt Janssen.

Auch über Kleve hinaus gab es Dinge, die sie zweifeln ließen. „Die Herangehensweise der Kirche an Fragen wie nach dem Umgang mit den Opfern sexualisierter Gewalt, Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, zölibatäre Überzeugungen, Einbindung der Frauen in Weiheämter - all das war und ist nach wie vor kritisch zu betrachten. Aber man ist ja nun auf dem Synodalen Weg“, hofft Janssen auf andere Kirchen-Zeiten.

 

Neue Seelsorger machen Mut

 

Die Niederrheinerin ist in ihrer Heimatstadt fest verwurzelt und kennt die pfarrliche Entwicklung gut: Vor 16 Jahren entstand in Kleve die Seelsorgeeinheit „Zur Heiligen Familie“ aus den zuvor eigenständigen Pfarreien St. Anna Materborn (11.000 Einwohner) und Herz-Jesu Reichswalde (2.400 Einwohner). Zurzeit zählt die Pfarrei etwa 7.000 Katholiken – das entspricht etwas mehr als 50 Prozent der Einwohnerzahl.

In der Pfarrei habe es einige „Lichtblicke“ gegeben, wie Janssen sagt: „Im Winter 2019 wurden uns glücklicherweise Pfarrer Philip Peters und Pater John Paulose Alakkattuparambil zur Seite gestellt, die mit ihrer freundlichen und offenen Art Menschen erreichen und nun dafür verantwortlich sind, dass die Messen überaus gut besucht sind und auch ein reges Gemeindeleben stattfindet.“ So gut, dass man nun häufiger bei Erstkommunion, Firmung oder Weihnachten auf Kirchen außerhalb der Pfarre ausweichen müsse.

 

Zusammenarbeit mit Nachbar-Pfarreien

 

In den letzten Monaten hat sich Janssen engagiert für den Erhalt der geschlossenen Herz-Jesu-Kirche in Reichswalde eingesetzt. „Was hätten wir diese große Kirche gerade in Corona-Zeiten gut gebrauchen können! Wir sollten sie erhalten, um auch in Zukunft eine ansprechende Pastoral in unseren Dörfern zu gestalten“, hofft sie.

Eine Zusammenarbeit mit den benachbarten Pfarreien sei ja vom Bistum im Rahmen der Pastoralen Räume gewünscht und könne nur hilfreich sein, sagt die Pfarreirats-Kandidatin. „Wir sind doch alle auf dem Weg, Gottes Frohe Botschaft unter die Leute zu bringen. Mit möglichst viel Freude. Das wäre ein schönes Ziel.“

 

Herausforderungen einer Pfarrei

 

Der Glaube und der Wunsch nach Spiritualität, davon ist Andrea Janssen überzeugt, „ist bei vielen Menschen, gerade hier auf dem Land, noch tief verwurzelt“. Und sie nennt gleich die Herausforderungen: „Wie schaffen wir es, Zugang zu den so unterschiedlichen Menschen zu finden? Zu denen, die immer schon dabei waren, aber auch zu denen, die sich aus verschiedenen Gründen von der Kirche distanziert oder gar völlig abgewandt haben? Wie können wir wieder Kraft spendendes Element werden in einer Welt der 1000 alternativen Möglichkeiten?“

Für die Mutter zweier Kinder steht fest: „Die christliche Botschaft an sich ist doch eine richtig gute.“ Der Blick auf die Kandidatenlisten ihrer Pfarrei für den künftigen Kirchenvorstand und Pfarreirat geben ihr Anlass zur Hoffnung.

 

Wunsch nach Gemeinschaft

 

Ihr Wunsch: „Meiner Meinung ist es über alle Maßen wichtig, die Kirchen in den Dörfern zu lassen. Wo es keine Kirche mehr gibt, wird nach und nach die Identifikation der Menschen mit der Kirche schwinden. Kirche, das ist Gemeinschaft, das sind gemeinschaftliche Erlebnisse.“

Seit Schließung der Herz-Jesu-Kirche, die Anfang 2021 unter Denkmalschutz gestellt wurde und über die die Stadt Kleve eine Machbarkeitsstudie zur weiteren Nutzung in Auftrag gegeben hat, seien solche gemeinschaftlichen Zusammenkünfte nur noch mit großem Aufwand möglich.

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