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Cosmin Croitoru trifft dort viele Schlachtarbeiter aus seiner Heimat

Kaplan aus Rumänien hilft ehrenamtlich bei der Friesoyther Tafel

Freitags hat Cosmin Croitoru abends Fußballtraining. Morgens steht der Kaplan bei der Caritas-Tafel in Friesoythe hinter der Theke. Er sieht den Dienst als Seelsorge-Chance.

Heute steht er an der Brotausgabe. Er ist eingesprungen für einen anderen Helfer. „Noch so ein Weißbrot?“, fragt Cosmin Croitoru die junge Frau mit dem Kind an der Hand. Sie nickt und der Kaplan reicht ihr einen Laib über die Theke.

Nach und nach schiebt sich die Schlange mit den Tafelkunden durch die Halle des ehemaligen Gewerbebetriebes im oldenburgischen Friesoythe. Hier hat die Caritas-Tafel „CarLa“ derzeit ihre Zentrale. Beim Hinausgehen tragen sie prall gefüllte Plastiktaschen oder haben einen der vorgepackten Körbe in Händen.

Er ist Stürmer beim SV Marka Ellerbrock

„Freitags, 9 bis 12 Uhr“ hat Croitoru fest als Termin in seinen Kalender eingetragen. Der Freitag ist der freie Tag des rumänischen Kaplans, der als „Priester der Weltkirche“ in der Friesoyther St.-Marien-Pfarrei im Einsatz ist. Dann hat er Zeit für den ehrenamtlichen Dienst bei der Tafel – und für Fußball. Zum Training mit der Herrenmannschaft des SV Marka Ellerbrock muss er aber erst abends.

Manchmal steht er auch hinter der Fleischtheke. Oder er sitzt an der Kasse. Und oft trifft der 32-Jährige hier Männer und Frauen aus seiner Heimat. In den Fabriken der Gegend um das oldenburgische Friesoythe arbeiten viele Rumänen. Der Einkauf bei der Caritas-Tafel hilft ihnen, mit ihren Familien über die Runden zu kommen.

Cosmin Croitoru kennt die Probleme seiner Landsleute

Das Geld ist aber nur das eine. „Manche haben auch andere Probleme“, weiß der groß gewachsene Priester aus unzähligen Gesprächen. „Spielsucht, Alkohol, solche Sachen“, sagt er.


Kaplan Cosmin Croitoru. | Foto: Michael Rottmann

Für ein paar Sätze mit ihnen nimmt er sich immer Zeit. „Für die Menschen ist es sehr wichtig, wenn sie hier in der Fremde jemand versteht. Die meisten können ja nur ein bisschen Deutsch, wenn überhaupt.“ Er kann das gut nachfühlen. „Ich freue mich ja auch, weil ich mal wieder Rumänisch sprechen kann“, sagt er lächelnd.

Wichtig für den Kaplan ist der Kontakt zu Menschen

„Das Wichtigste für mich bei der CarLa ist der Kontakt zu Menschen“, sagt der Kaplan. „Auch, weil ich genau das als Seelsorger in Deutschland oft vermisse.“ Er schildert, wie er den Alltag manchmal erlebt. „Ich bin unterwegs von Termin zu Termin und muss natürlich pünktlich sein. Die Folge: Es bleibt wenig Zeit für Gespräche.“ Etwa nach einer Beerdigung, wenn es gut wäre, noch mal mit den Hinterbliebenen zu sprechen. „Aber dann muss man oft schon wieder zum nächsten Termin.

Bei der „CarLa“ dagegen fühle er sich locker und frei. Ganz anders als manchmal vor der Predigt in einer der Kirchen, die zu Friesoythe gehören. Auch wenn er nach zwei Jahren als Seelsorger im Bistum Münster ziemlich gut Deutsch spricht, meint er: „Das macht mir immer noch Stress.“

Tafeln wie in Deutschland gibt es in Rumänien nicht

Insgesamt fünf Jahre soll er im Bistum Münster aushelfen. Cosmin Croitoru kam als kleiner Junge nach dem Tod seiner Mutter in ein Kinderheim im Kreis Bacau. Die katholische Einrichtung wurde maßgeblich unterstützt von der damaligen Pfarrgemeinde Maria Frieden in Vechta. Über diese Kontakte ist er auch ins Bistum Münster gekommen.

Eine Tafel kennt er aus Rumänien nicht. „Wenn arme Leute dort Hunger haben, klingeln sie beim Pfarrer oder fragen bei der Caritas nach.“

Cosmin Croitoru hat Respekt vor den Helferinnen und Helfern

Während der Kaplan spricht, füllen Ehrenamtliche schon Körbe für eine andere Ausgabestellen. Einige packen Transporter oder schieben Kisten in einen der Kühlcontainer.

Vor all diesen Helfern hat der Kaplan höchsten Respekt. Weil er erlebt, wie zugewandt sie mit den Kunden umgehen und mit wie viel persönlichem Einsatz. Cosmin Croitoru ist überzeugt: „Was hier Woche für Woche geschieht, hat sehr viel mit der Botschaft Jesu zu tun.“

Der Kaplan schätzt Gespräche bei einer Zigarette vor der Tür

Aber noch wichtiger als Brot, Fleisch oder Milch, so ist er sich sicher, „ist das Da-Sein für die Menschen. Dass die, die draußen in der Schlange warten, wissen: Da drinnen sind Leute, die mir helfen wollen.“

Er selbst schätzt besonders die Gespräche bei einer Zigarette draußen vor der Tür. „Manche halten hier bei der Caritas-Tafel nicht nur ihre Tasche, sondern auch ihre Herzen auf“, sagt er lächelnd.

Cosmin Croitoru hilft auch mal außerhalb der Tafel

Einigen konnte er auch anders helfen als nur mit Lebensmitteln. Kaplan Cosmin berichtet von einem Vater mit drei Kindern. Das Jüngste ging noch in den Kindergarten. Die Mutter hatte die Familie verlassen – für einen anderen Mann.

„Ich habe den Vater hier kennengelernt und ihn dann zu Hause besucht“, sagt Cosmin Croitoru. Als er dort mitbekam, dass die Kinder manchmal die ganze Nacht alleine bleiben, weil er Nachtschichten übernehmen muss, nahm er sich der Sache an.

Gemeinsam mit einer Lehrerin fuhr er zum Schlachthof und schilderte das Problem. „Die Firma hat viel Verständnis gezeigt. Und jetzt arbeitet der Papa nur, wenn die Kinder in der Schule sind.“

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