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Wie funktioniert Seelsorge in Corona-Zeiten?

Kaplan Stefan Rosenbaum aus Rhede macht Live-Sendungen auf Instagram

Stefan Rosenbaum schaut lächelnd, aber auch etwas müde in die Handykamera. Mit Abendgebeten oder Gesprächsimpulsen immer um 22 Uhr auf Instagram hält der Kaplan in Rhede Kontakt zu seiner Community.

Abends kurz vor 22 Uhr in Deutschland, Stefan Rosenbaum trägt ein rotes T-Shirt und schaut lächelnd aber auch etwas müde in die Handykamera: „Hallo Jan, hallo Ina, hallo Max!“ begrüßt er die Teilnehmer, die er allerdings nur anhand der eingeblendeten Namen auf dem Handy erkennt. Mit Abendgebeten oder Gesprächsimpulsen immer um 22 Uhr auf Instagram hält der Kaplan in der Gemeinde St. Gudula in Rhede Kontakt zu seiner Community. Dazu zählen die Messdiener St. Gudula, aber auch Wegbegleiter von Stefan Rosenbaum oder Menschen, die dem Kaplan auf seinem Social-Media-Kanal folgen.

Angesichts der Corona-Pandemie wurde dem Seelsorgeteam in Rhede schnell klar: „Wir müssen was im Netz machen.“ Angefangen hat es mit täglichen Abendimpulsen im Wechsel mit Karen Nelke, Pastoralassistentin der Gemeinde. „Das waren zu Beginn kurze Gedanken unter ,#wasmichbewegt‘, meist mit einem Bild oder einem Bibelspruch“, berichtet Rosenbaum. „Dann hat irgendein Jugendlicher mich angesprochen: ,Warum gehst du nicht live?‘ Aber das hatte ich ja noch nie gemacht“, so der 39-Jährige. Er ließ sich den Umgang mit Instagram von den Jugendlichen seiner Messdiener-Gruppe erklären: „Dann habe ich sofort Feuer gefangen.“

Kaplan Rosenbaum ist „hamster_09“

Unter seinem Profilnamen „hamster_09“ – angelehnt an seinen Lieblings-Fußballverein Borussia Dortmund – bereitet sich Rosenbaum alle zwei Tage ab 21.30 Uhr auf seine Live-Sendungen vor: „Das erste Mal war es sehr locker. Der Abschluss war ein Abendgebet. Danach habe ich gemerkt, dass ist toll, so ein neues Medium auszuprobieren. Eine Stärke ist, dass das, was passiert, auch eben in Echt passiert. Da kann ich nichts schön machen und nachträglich bearbeiten.“

Zuschauer der ersten Live-Sendung mit Gesprächspartner Thorsten Schmölzing, Pfarrer in Rhede, merkten: Das ist authentisch. Da kennen sich zwei und machen auch mal Witze zusammen. Trotzdem hatten auch ernste Themen ihren Platz. Die Follower wollten zum Beispiel wissen: „Welcher Punkt in Eurem Leben war ausschlaggebend, Priester zu werden?“ Gefragt wurde auch, wie die beiden zu Kritik an ihrer Kirche stehen. „Wir sind darauf angewiesen, Kritik zurückgemeldet zu bekommen“, hieß es in der Sendung. Das möge nicht überall in der Kirche üblich sein, warf Thorsten Schmölzing ein, „aber ich bin dankbar dafür.“ Auch wenn in besagter Sendung nicht auf die Frauenfrage in der Kirche geantwortet wurde: „Wir sammeln die User-Fragen für die nächsten Sendungen“, sagt Rosenbaum. Es sei bisher für ihn ein technisches Problem, auf die durchlaufenden Fragen im Chat direkt zu reagieren.

Pro Live-Schalte sind 20 Zuschauer dabei

Pro Live-Schalte sind meist 20 Zuschauer dabei: „Das finde ich schon viel. Wann hat man sonst so viele Jugendlichen auf einem Haufen? Aber das Gespräch muss schon Inhalt haben, sonst hören die Leute nicht zu“, ist Rosenbaums Fazit. Es sei wie bei den Influencern, die zum Beispiel Werbung für einen bestimmten Lifestyle machten: „Wenn sie nur Floskeln von sich geben, die keiner hören will, dann haben sie keine Follower. Es müssen authentische Botschaften sein.“

In Zukunft plant Rosenbaum kurze Ausschnitte auch tagsüber zu senden: „Ich bekomme eine gewisse Neugierde mit, dass die Leute wissen wollen, wie es ist als Priester zu leben.“ Er könne sich gut einen Blick hinter die Kulissen vorstellen: „Ein Gespräch aus meiner Wohngemeinschaft zum Beispiel.“ Rosenbaum lebt mit zwei Mitbrüdern in einer Vita Communis. So lautet der offizielle Begriff für die „Priester-WG“ in Bocholt.

Gibt es Instagram-Unterricht demnächst im Priesterseminar?

Gehört Instagram demnächst als Kommunikations-Instrument in der Priesterausbildung dazu? „Ich vermute, dass die Seminaristen, die jetzt in der Ausbildung sind, schon aufgrund ihres Alters dieses Medium beherrschen. Sie sind ja so Mitte 20“, meint Rosenbaum. Eine andere Frage sei: „Kann man auf einfache Art über seinen Glauben sprechen? Hat man den Mut dazu?“ Es gehe um persönliche Themen, da sei eine Diskussion in der Öffentlichkeit nicht jedermanns Sache: „Ich habe für mich klar, dass ich das, was ich im Glauben erfahren habe, teilen möchte.“

Und eben nicht nur in der Kirche, sondern auch auf Instagram.

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