Lernort und Oase auf 1,5 Hektar

Kapuziner-Klostergarten in Münster eröffnet

Ab sofort hat der Kapuziner-Klostergarten in Münster seine Tore für Besucher und Besucherinnen weit geöffnet. „In der hellen Zeit von 8 bis 20 Uhr, im Winter in den hellen Stunden“, sagte Bruder Bernd Beermann, Leiter des Kapuzinerklosters, über die Öffnungszeiten.

Der Garten solle sich zu einer Oase in Münster entwickeln. Das Konzept sei für die Stadt einzigartig. Bei dem Klostergarten handelt es sich um ein ökologisches, religionspädagogisches und spirituelles Angebot, das von verschiedenen Projektpartnern getragen wird. Sie stellten bei einer Talkrunde in der Kapuziner-Kirche ihre sich ergänzenden Ansätze vor.

Alte Gemüsearten und Obstsorten auf 1,5 Hektar

Kleine Besucher des Klostergartens am Brunnen. | Foto: Karin Weglage
Kleine Besucher des Klostergartens am Brunnen. | Foto: Karin Weglage

„Wir wollen die alten Gemüsearten und Obstsorten im landwirtschaftlichen Bereich erhalten und ihre Bedeutung für das Leben und die Natur einem größeren Publikum näher bringen“, sagte Beermann bei der Eröffnung des Gartens.

Auf dem 1,5 Hektar großen Gelände wachsen über 60 Apfelsorten heran. Im Kräutergarten gedeihen mehr als 300 Arten – davon etwa zehn Salbei- und 25 Minze-Sorten. Zudem gibt es eine Wildwiese, einen Friedhof, ein kleines Wäldchen, eine Pergola, die mit Geißblatt und Windenknöterich begrünt werden soll, Gemüsebeete, einen Bolzplatz und einen Treffpunkt.

200.000 Euro Kosten

Bei einer Talkrunde in der Kapuzinerkirche stellten die Projektteilnehmer das Konzept vor. | Foto: Karin Weglage
Bei einer Talkrunde in der Kapuzinerkirche stellten die Projektteilnehmer das Konzept vor: (von links) Cilly van Eck (Moderatorin), Thomas Dienberg (IUNKTUS), Bruder Bernd Beermann (Leiter des Kapuzinerklosters), Josef Tumbrinck (NABU), Norbert Mussenbrock (Alexianer), Rainer Hagencord (Institut für Theologische Zoologie) und Ulrich Jost-Blome (Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW). | Foto: Karin Weglage

Die Neuplanung des Gartens, der in seiner Ursprungsform seit Mitte des 19. Jahrhunderts existiert, habe sich an acht Stationen des Sonnengesangs des Franz von Assisi orientiert. Der Heilige besingt die Elemente des Himmels und der Erde. Einen Brunnen gibt es bereits. Auf die Dauer hoffe man, für die „Schwester Wasser“ noch einen größeren Teich anzulegen, sagte Beermann. Dazu fehlten jedoch noch Sponsoren-Gelder.

Zu den Projektteilnehmern gehören das Institut für Theologische Zoologie in Münster, der Naturschutzbund Deutschland (NABU), das Kompetenzzentrum für Christliche Spiritualität der Philosophisch-Theologischen Hochschule (PTH) Münster IUNCTUS und die Alexianer-Werkstätten. Die Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen unterstützt den bildungsbezogenen Auftrag des Projekts vorerst zwei Jahre. Sie übernimmt von den auf 200.000 Euro berechneten Kosten 80 Prozent, sagte Ulrich Jost-Blome von der Stiftung. Der Rest werde aus Eigenmitteln der Partner finanziert.

Altes Wissen sichern und weitergeben

Für Josef Tumbrinck vom NABU steht der Erhalt von 300 Obst- und Gemüsearten aus Westfalen auf dem Programm: „Wir müssen sie sichern. Das Wissen über sie geht sonst verloren.“ Zudem sollen schützende Maßnahmen für Vögel und Insekten eingerichtet werden. Man versuche, auch Turmfalken anzusiedeln. Der Garten sei ein idealer Lebensraum für Tiere.

Einen Überblick über Seminare, Workshops, Vorträge und Führungen gibt es auf www.kapuzinerklostergarten.de.

Katechetische Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen hat sich das Institut für Theologische Zoologie vorgenommen, sagte sein Leiter Rainer Hagencord. Das Angebot richte sich an interessierte Kirchengemeinden. So bietet Instituts-Mitarbeiter Markus Wagner für Kommunionkinder unter dem Stichwort „Spiritual Gardening“ Naturerkundungen an, die den ökologischen und göttlichen Zusammenhang der Schöpfung zeigen, etwa am Beispiel der Bienen. Das erworbene Wissen über Pflanzen, Kräuter und Insekten können die Teilnehmer später im eigenen Pfarr-, Kirchen- oder Kindergarten umsetzen.

Arbeitsplatz für Menschen mit Behinderung

Thomas Dienberg von der PTH will Wissenschaftler, Unternehmer, Philosophen und Theologen in den Garten holen, um „auch im internationalen Austausch das Bewusstsein für ethische, tier-ethische und ökologische Fragen zu schärfen“.

Die eigentliche Gartenarbeit vom Säen bis zum Ernten übernehmen 25 Mitarbeiter mit Handicap der Alexianer-Werkstätten, die dort einen festen Arbeitsplatz finden, sagte Werkstattleiter Norbert Mussenbrock. Seit über zwei Jahren arbeiten sie bereits an dem Projekt.

Produkte wandern in die Klosterküche

„200 verschiedene Gemüsesorten von der Schwarzwurzel bis zur Pastinake wachsen hier. Wir haben acht Kartoffel-Sorten. Die Produkte wandern in die Klosterküche. Bei Überschüssen auch zu den Alexianern“, sagt Gruppenleiter Johannes Paus.

Den ersten richtigen Ansturm erwarten Mönche und Projektmitarbeiter beim bevorstehenden Katholikentag in Münster. Dann soll der Klostergarten zum Flanieren und Atemholen einladen. Es werde Führungen, Workshops und ein Café geben.