Dürfen Wiederverheiratete die Kommunion empfangen oder nicht?

Kardinäle wollen mit Papst über Ehelehre reden

Vier Kardinäle, die öffentlich eine Klarstellung von Papst Franziskus zu dessen Ehelehre verlangt hatten, haben jetzt um eine Audienz gebeten. Bei dem Gespräch solle es um die Auslegung des Papstschreibens „Amoris laetitia“ und um die „Konfusion und Verirrung“ unter katholischen Geistlichen gehen, heißt es in einem Brief von Kardinal Carlo Caffarra, den die US-Zeitschrift „National Catholic Register“ und italienische Blogs am Dienstag veröffentlichten.

Der emeritierte Erzbischof von Bologna äußerte die Gesprächsbitte laut dem Bericht auch im Namen seiner Mitkardinäle Joachim Meisner (83) aus Köln, Walter Brandmüller (88) und Raymond Leo Burke (68). Der frühere US-Kurienkardinal Burke hatte zuvor eine „formelle Korrektur“ des Papstes angekündigt, falls Franziskus nicht auf das im November veröffentlichte Klarstellungsbegehren antworte.

Ärger über unterschiedliche Verfahren

Im Hintergrund der Debatte steht die Frage, ob wiederverheiratete Geschiedene in Einzelfällen zur Kommunion zugelassen werden dürfen, obwohl sie nach Caffarras Worten „objektiv und öffentlich in einer Situation schwerer Sünde leben und darin zu verbleiben beabsichtigen“. Zur Begründung des Gesprächswunsches schrieb Caffarra weiter, inzwischen erlaubten sogar einzelne Bischofskonferenzen, „was das Lehramt der Kirche nie gebilligt hat“. Die Folge sei eine widersprüchliche Praxis, so dass derselbe Sachverhalt in Polen als Sünde und in Deutschland als gut gelte.

Die Audienzbitte datiert dem Bericht zufolge bereits auf den 25. April und wurde Anfang Mai zugestellt. Bislang sei bei den vier Kardinälen keine Antwort eingegangen.