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Langjähriger Kardinalstaatssekretär wurde 94 Jahre alt

Kardinal Angelo Sodano ist tot – der Chef-Diplomat Johannes Pauls II.

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Angelo Sodano, langjähriger Kardinalstaatssekretär von Johannes Paul II. und Benedikt XVI., ist tot. Er starb 94-jährig in Rom. Bekannt wurde er als Friedensvermittler, aber auch als Bremser bei der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt.

50 Jahre war Angelo Sodano im diplomatischen Dienst des Vatikan tätig. Zwei Päpsten, Johannes Paul II. und Benedikt XVI., diente der Norditaliener als Kardinalstaatssekretär. Am späten Freitag starb Sodano im Alter von 94 Jahren in Rom in einem Krankenhaus, in das er mit Covid-19 eingeliefert worden war.

Sein Meisterstück lieferte Sodano bereits als Päpstlicher Botschafter in Chile. 1978 / 79 half er, den Grenzstreit mit Argentinien beizulegen. Die Militärjunta in Buenos Aires stand damals kurz vor einer Kriegserklärung an Chile. In den Tagen des Falls der Berliner Mauer war Sodano vatikanischer Außenminister, bevor ihn Johannes Paul II. 1991 zum Kardinalstaatssekretär ernannte.

16 Jahre lang zweiter Mann im Vatikan

In dieser Position war Sodano fast 16 Jahre lang der zweite Mann im Vatikan. Unter anderem begleitete er den Papst aus Polen zwischen 1991 und 2004 auf 53 Auslandsreisen. Unter ihm sei die Außenpolitik des Vatikan relativ glatt und problemlos verlaufen, urteilen Beobachter. Für große politische Aufmerksamkeit sorgte Johannes Paul selber. Dieser, so Sodano rückblickend, habe den Beinamen "der Große" verdient.

Nach seiner Wahl zum Papst ernannte Benedikt XVI. Sodano 2005 erneut zum Kardinalstaatssekretär, bevor er 2006 seinen eigenen langjährigen Vertrauten, Kardinal Tarcisio Bertone, zum zweiten Mann im Vatikan machte. Der jedoch, wie Sodano aus dem Piemont stammend, konnte aus dem Schatten des groß gewachsenen, kräftig gebauten Sodano nie heraustreten. Im Gegenteil: Es hieß, Sodano habe seinem Nachfolger das Leben oft schwergemacht, weil er ihn für nicht sehr geeignet hielt.

Die Abtreibungsdebatte in Deutschland

Mit den Verhältnissen im deutschen Sprachraum war Sodano vertraut, seit er im deutschsprachigen Priesterseminar Anima in Rom wohnte. Er sprach gut Deutsch und war unter Kardinalstaatssekretär Agostino Casaroli für diesen Bereich Europas zuständig.

So soll Sodano in der Auseinandersetzung um die Schwangerenkonfliktberatung der katholischen Kirche in Deutschland für eine moderatere Linie des Vatikan plädiert haben, indem er sich im Frühjahr 1998 - anders als Kardinal Joseph Ratzinger - für eine gemäßigtere Fassung des Papstbriefes an die deutschen Bischöfe eingesetzt habe. Johannes Paul II. hatte die deutschen Bischöfe letztlich aufgefordert, aus dem staatlichen System der Konfliktberatung für Schwangere auszusteigen.

Sein Verhältnis zu Chiles Diktator Augusto Pinochet

Angelo Sodano, geboren am 23. November 1927 im norditalienischen Asti als Sohn eines Landbesitzers und langjährigen Abgeordneten der Christdemokraten, wurde 1950 zum Priester geweiht. In der Seelsorge war er nur kurze Zeit tätig. Rasch schickte ihn sein Bischof zum Studium nach Rom, wo er 1959 in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls eintrat. Erste Stationen seiner Laufbahn waren die päpstlichen Nuntiaturen in Ecuador, Uruguay und Chile.

Im November 1977, vor seinem Amtsantritt als Nuntius in Santiago de Chile, erhielt er die Bischofsweihe. Vorwürfe von damals, als Botschafter des Papstes habe er zu wenig Distanz zu Diktator Augusto Pinochet gewahrt, erwiesen sich im Nachhinein als ungerechtfertigt. Wiederholt hatte er sich gegen Gewaltakte des Regimes gewandt und für die Einhaltung der Menschenrechte stark gemacht.

Anfang 2005 faktisch Leiter der Weltkirche

In den letzten Tagen Johannes Pauls II., Anfang 2005, galten Sodano, Ratzinger und der Privatsekretär des Papstes, Erzbischof Stanislaw Dziwisz, als jene Drei, die de facto die Geschicke der Weltkirche lenkten. Sodano machte jedoch - anders als Ratzinger - kaum durch öffentliche Äußerungen auf sich aufmerksam.

Obschon Sodanos Verhältnis zu Ratzinger nicht als spannungsfrei galt, übernahm er es als Kardinaldekan, während der Vatileaks-Affäre Benedikt XVI. öffentlich den Rücken zu stärken: "Heiliger Vater, das Volk Gottes ist mit dir und wird sich nicht vom Gerede der herrschenden Meinungen beeinflussen lassen", erklärte er während der Ostermesse 2010.

Kritik an seiner Rolle bei Missbrauchs-Aufarbeitung

Dass das Wort "Gerede" als Anspielung auf die damals öffentlich gewordenen Beschuldigungen von Missbrauchsbetroffenen interpretiert wurde, veranlasste den Vatikan zu erklären, Sodano habe nicht diese gemeint, sondern Mutmaßungen rund um Vatileaks. Gleichwohl tauchten 2011 und 2018 erneut Vorwürfe auf, der langjährige mächtige Mann im Vatikan habe wiederholt versucht, eher die Kirche als Institution zu schützen, anstatt Missbrauchsbetroffenen zu helfen und die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Dies sei sowohl der Fall gewesen bei Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Marcial Maciel, den Gründer der Legionäre Christi, wie auch nach den ersten Untersuchungen zu Missbrauch und Misshandlung in katholischen Einrichtungen in Irland.

Zu Sodanos 92. Geburtstags entband ihn das Kardinalskollegium Ende 2019 von der Aufgabe des Dekans und wählte stattdessen den früheren Leiter der Bischofskongregation Giovanni Battista Re zu seinem Leiter. Nicht nur Päpste können seit Benedikt XVI. zurücktreten, auch Dekane des Kardinalskollegiums.

Franziskus würdigt Sodano

Papst Franziskus würdigte den verstorbenen Sodano als großzügigen Priester, sorgfältigen Mitarbeiter und "kirchlich disziplinierten Mann". Er selber habe von Sodanos "Geistes- und Herzensgaben profitieren" können, vor allem als dieser noch Dekan des Kardinalskollegiums war, heißt es in einem Beileidstelegramm an Sodanos Schwester.

Er sei dankbar "für das Geschenk dieses geschätzten Mannes der Kirche, der sein Priestertum mit Großzügigkeit gelebt hat", schreibt der Papst. An der Seite mehrerer Päpste habe Sodano sorgfältige Arbeit geleistet. "In der römischen Kurie erfüllte er seine Aufgabe mit beispielhafter Hingabe", so Franziskus. Zugleich sei Angelo Sodano "ein liebenswürdiger Hirte" gewesen, der vom dem Wunsch beseelt war, den "Sauerteig des Evangeliums" überall zu verbreiten.

Update 11.30 Uhr: Reaktion Papst Franziskus

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