Franziskus soll auf Kardinals-Schreiben antworten

Kardinal Burke will Papst zurechtweisen

In der Debatte um den Umgang der katholischen Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen steht möglicherweise eine neue Eskalation bevor. Der frühere Kurienkardinal Raymond Leo Burke kündigte im Interview mit dem US-Internetportal „LifeSiteNews“ eine formale Ermahnung von Papst Franziskus an, sollte dieser seine Position nicht im Sinne der traditionellen katholischen Lehre präzisieren. Burke, von 2008 bis 2014 Präfekt der Apostolischen Signatur, des höchsten Vatikangerichts, ist derzeit Kardinalpatron des Malteserordens.

Der Papst müsse auf das Schreiben antworten, in dem vier Kardinäle – unter ihnen Burke – eine Klarstellung einiger Aussagen des Papstes verlangt hatten, so der amerikanische Kirchenjurist. In dem päpstlichen Abschlussdokument „Amoris laetitia“ zu den beiden Synoden über Ehe und Familie deutet Franziskus an, dass wiederverheiratete Geschiedene unter bestimmten Voraussetzungen wieder die Sakramente empfangen können. Burke gehört weltweit zu den schärfsten Gegnern einer solchen Reform.

Burke: „Amoris laetitia“ widerspricht katholischer Lehre

Zu den Unterzeichnern des im November publizierten Briefes an den Papst gehören auch die deutschen Kardinäle Joachim Meisner und Walter Brandmüller sowie der Italiener Carlo Caffarra. Die Veröffentlichung des Schreibens begründeten die vier Kardinäle damit, dass Franziskus ihnen über zwei Monate nicht darauf geantwortet habe und sie die weitere Debatte über das Thema fördern wollten.

Geschehe dies nicht, so Burke im Interview, rege er eine „formale Korrektur“ der päpstlichen Lehraussagen an, um die Widersprüche zwischen Aussagen von „Amoris laetitia“ und der katholischen Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe aufzuzeigen. Diese Korrektur werde „direkt und einfach“ ausfallen. Von welchem Personenkreis sie ausgesprochen werden soll, ließ Burke offen. Die Weihnachtszeit sei für Franziskus die geeignete Phase, um die entstandenen Zweifel aus dem Weg zu räumen, so der Kardinal weiter. Es gehe schließlich um die Grundlagen der kirchlichen Morallehre.

Auch Johannes XXII. erhielt Ermahnung

Ermahnungen von Päpsten sind in der Kirchengeschichte selten. Als historisches Beispiel für den Vorgang verweist das Internetportal auf Johannes XXII. (1316-1334). Diesen Papst ermahnten Bischöfe und Theologen, weil er in einigen Predigten die kirchliche Lehre hinterfragt hatte, wonach die Seelen der Heiligen gleich nach dem Tod zur Anschauung Gottes gelangen. Gegen Ende seines Lebens ruderte der Papst zurück und schloss sich der damals überwiegend vertretenen kirchlichen Lehre wieder in vollem Umfang an. Zugleich erklärte er, dass er niemals etwas anderes vertreten habe als das, was die Kirche lehrt.