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Kurienkardinal war wissenschaftlicher Assistent Küngs in Tübingen

Kardinal Kasper: Küng hatte sich mit Rom ausgesöhnt

  • Der verstorbene Theologe Hans Küng, dem der Vatikan 1979 die Lehrerlaubnis entzog, hat sich nach Aussage von Kurienkardinal Walter Kasper vor seinem Tod mit der Kirche ausgesöhnt.
  • Kasper arbeitete in den 1960er Jahren bei Küng als wissenschaftlicher Assistent in Tübingen.
  • Auch eine vatikanische Akademie äußert Trauer über den Tod Küngs.
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Der verstorbene Theologe Hans Küng, dem der Vatikan 1979 die Lehrerlaubnis entzog, hat sich nach Aussage von Kurienkardinal Walter Kasper vor seinem Tod mit der Kirche ausgesöhnt. Papst Franziskus habe vergangenen Sommer, als Küng bereits sehr geschwächt war, durch Kasper Grüße und Segenswünsche überbringen lassen.

„Hans hat sich darüber sehr gefreut, es war wichtig für ihn“, sagte Kasper der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“. Kasper sagte, Küng habe als Theologe mit einer für alle verständlichen Sprache „vielen geholfen, zum Glauben zu finden oder in der Kirche zu bleiben“.

„Immer ein Mann der Kirche und in der Kirche geblieben“

Kasper arbeitete in den 1960er Jahren bei Küng als wissenschaftlicher Assistent in Tübingen. „Wir hatten unterschiedliche Standpunkte, aber wir sind immer in Kontakt geblieben“, sagte der Dogmatiker und spätere Präsident des Päpstlichen Rats für die Einheit der Christen über seinen fünf Jahre älteren früheren akademischen Lehrer.

Kasper nannte Küng einen „harten Kritiker, manchmal auch ungerecht“. Er sei jedoch „in der Tiefe seines Herzens immer ein Mann der Kirche und in der Kirche“ geblieben.

Die Geste im vergangenen Sommer

Nie habe Küng daran gedacht, die Kirche zu verlassen. „Seine Absicht war, sein Bestes für die Kirche zu tun, von innen. Er hat sich immer als Christ und als Katholik gefühlt.“

Der Kardinal berichtete, er habe im Sommer, als schon mit einem baldigen Tod Küngs gerechnet worden sei, Franziskus angerufen. „Der Papst trug mir auf, ihm seine Grüße und seine Segenswünsche ,in christlicher Gemeinschaft' zu überbringen“, sagte Kasper. „Es war, als fühlte sich Küng in Frieden mit der Kirche und mit Franziskus, eine Art Versöhnung.“

Wohl keine formelle Rehabilitierung mehr

Auch Benedikt XVI. habe von Küngs Verfassung gewusst und für ihn gebetet, so Kasper. Zur Forderung einer formellen Rehabilitierung Küngs, dem die Glaubenskongregation 1979 die kirchliche Lehrerlaubnis entzog, sagte Kasper: „Das hat keinen Sinn. Wenn man stirbt, macht man keine Verfahren. Uns erwartet ein anderes Gericht.“

Reibungspunkte zwischen Küng und dem Lehramt habe es mehrere gegeben, von der Moral-Enzyklika „Humanae vitae“ bis zum Frauenpriestertum, sagte Kasper. Die Hauptkritik Küngs habe sich indessen gegen das Unfehlbarkeitsdogma gerichtet: „Die Weise, wie er das tat, gefiel Rom nicht; auch ich war nicht einverstanden.“

Reaktion im Vatikan

Die Päpstliche Akademie für das Leben nannte Küng am Mittwoch eine „große Gestalt in der Theologie des vergangenen Jahrhunderts“. Küngs Ideen und Analysen nötigten zur Reflexion über Kirchen, Gesellschaft und Kultur.

Benedikt XVI. äußerte sich bisher nicht zum Tod seines akademischen Kollegen aus gemeinsamen Tübinger Zeiten. Auch von Papst Franziskus und anderen vatikanischen Stellen gab es bislang keine offizielle Würdigung.

Bedford-Strohm und Sternberg würdigen

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Heinrich Bedford-Strohm, würdigte einen „Pionier der Ökumene und des interreligiösen Dialogs“. Küng sei in vielem seiner Zeit voraus gewesen. „Auf Hans Küngs Leben hat viel Segen gelegen, und es ist von ihm viel Segen ausgegangen.“

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, sprach ebenfalls von einem „großen Ökumeniker, einem bedeutenden Theologen und freien Geist, der die Kirche liebte und verändern wollte“. Als Theologe sei Küng ein „Weltpolitiker der Religionen“ gewesen.

Grab bei Walter Jens

Küng wird auf dem alten Stadtfriedhof Tübingen beigesetzt, in unmittelbarer zum Schriftsteller und Wissenschaftler Walter Jens. Beide Professoren waren über Jahrzehnte eng befreundet und hatten sich die Gräber reservieren lassen.

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