Fazit nach dem Weltkirchenrat mit Papst Franziskus

Kardinal Koch sieht fehlende Einigkeit über Ziel der Ökumene

Der Ökumene-Beauftragte des Vatikan, Kardinal Kurt Koch, sieht eine der größten Schwierigkeiten in der Ökumene im Fehlen einer „tragfähigen Übereinkunft“ über das Ziel der Ökumenischen Bewegung. „Man ist sich zwar einig über das Das der Einheit, aber uneinig über das Was“, sagte Koch dem Portal kath.ch am Samstag in einem Bilanzinterview nach dem Besuch von Papst Franziskus beim Weltkirchenrat ÖRK in Genf.

Franziskus habe in Genf mit Blick auf die Ökumene dazu ermutigt, stets auf dem Weg zu bleiben und weitere Schritte zu tun, jedoch auch deutlich daraufhingewiesen, dass das Ziel des Weges die Einheit sein müsse. „Wir sind deshalb herausgefordert, noch intensiver miteinander ins Gespräch darüber zu kommen, was wir unter Einheit der Christen als Ziel der Ökumenischen Bewegung verstehen.“

Positive Bilanz des Papstbesuchs

Mit Blick auf die Aussage des Papstes, Ökumene sei ein „Verlustgeschäft“, da es um der Einheit willen gelte, eigene Zwecke aufs Spiel zu setzen, betonte Koch die Rolle der „elementaren Glaubensüberzeugungen“. Diese müssten in gegenseitigem Respekt ins ökumenische Gespräch eingebracht werden, dürften jedoch nicht zur Disposition stehen. Zu den Glaubensüberzeugungen gehöre in der katholischen Kirche etwa die enge Zusammengehörigkeit von eucharistischer und kirchlicher Gemeinschaft.

Insgesamt zog Koch eine positive Bilanz des Papstbesuchs in Genf. Dass Franziskus zur Feier des 70-jährigen Bestehens des Weltkirchenrats selbst gekommen sei, anstatt einen Delegaten zu schicken, zeige, dass ihm die Ökumene sehr am Herzen liege, so der Schweizer Kardinal. Bereits jetzt arbeiteten der ÖRK und die römische Kurie etwa bei den Themen Frieden, Menschenrechte, humanitären Hilfe und Migration eng zusammen; dies solle künftig noch intensiviert werden.