Prozession mit Sarg durch Köln

Kardinal Meisner im Kölner Dom beigesetzt

Kardinal Joachim Meisner ist am Samstag in der Bischofsgruft des Kölner Doms beigesetzt worden. Das Requiem in der überfüllten Kathedrale leitete Meisners Nachfolger als Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki.

Papst Franziskus hob in einer eigenen Botschaft „den unerschrockenen Einsatz“ Meisners für Glauben und Kirche hervor. In der vom Apostolischen Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic, verlesenen Botschaft wies Franziskus darauf hin, dass sich Meisner aus tiefem Glauben für die Menschen in Ost und West gleichermaßen eingesetzt habe.

Benedikt XVI. mit ungewöhnlicher Geste

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. verabschiedete sich mit einer ungewöhnlichen Geste. Sein Privatsekretär, Kurienerzbischof Georg Gänswein, verlas eine sehr persönlich gehaltene Botschaft des früheren Kirchenoberhaupts. Darin bezeichnete Benedikt XVI. Meisner als Beispiel für einen überzeugenden Hirten, wie sie die Kirche brauche, um der Diktatur des Zeitgeistes zu widerstehen.

Der Alterzbischof habe zuletzt zu gelöster Heiterkeit und Zuversicht gefunden, schreibt der emeritierte Papst unter Berufung auf ein Telefonat mit dem Meisner kurz vor dessen Tod. Es sei Meisner 2014 schwer gefallen, aus seinem Amt als Erzbischof von Köln zu scheiden. „Um so mehr hat es mich bewegt, dass er in dieser letzten Periode seines Lebens loszulassen gelernt hat.“

Spontaner Applaus

Der Kardinal habe sich gefreut, dass auch bei jungen Menschen die Bereitschaft zu eucharistischer Anbetung und die Beichtpraxis wieder wüchsen, so der emeritierte Papst. Er würdigte die Liebe des gebürtigen Schlesiers Meisner zu den Nachbarländern im Osten Europas. Meisner sei sehr dankbar für die Standhaftigkeit der dortigen Christen während der kommunistischen Diktatur gewesen. Die Gläubigen quittierten Benedikts Grußwort mit spontanem Applaus.

Kardinal Erdö: Meisner war „dynamischer“ Hirte

Auch der ungarische Kardinal Peter Erdö aus Budapest würdigte in seiner Predigt die Verdienste Meisners für die Weltkirche. Meisner habe als Berliner Bischof und Kölner Erzbischof sowie als Vorsitzender des katholischen Osteuropa-Hilfswerks Renovabis einen kaum zu überschätzenden Beitrag für das Zusammenwachsen Deutschlands und von Ost- und Westeuropa geleistet.

Erdö, der ein langjähriger Freund Meisners war, bezeichnete den verstorbenen Kardinal als einen leidenschaftlichen Kämpfer für die Wahrheit des Glaubens und zugleich als einen „dynamischen“ Hirten, der sich stark für Arme und Bedürftige eingesetzt habe.

Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst unter den Trauergästen

An den Trauerfeierlichkeiten nahmen mehr als 30 Bischöfe und Weihbischöfe, acht Erzbischöfe und sechs Kardinäle teil, darunter der kürzlich emeritierte Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der Privatsekretär des emeritierten Papstes Benedikts XVI., Georg Gänswein, Münsters Bischof Felix Genn, der frühere Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Unter den politischen Gästen war der neue Ministerpräsident des Landes NRW, Armin Laschet (CDU), der ranghöchste Repräsentant.

Zu Beginn der Trauerfeierlichkeiten war der schlichte Eichensarg mit Meisners Leichnam in einer Prozession von der Innenstadtkirche St. Gereon zum Dom geleitet worden. Meisner war am 5. Juli im Alter von 83 Jahren gestorben. Der gebürtige Breslauer stand von 1980 bis Anfang 1989 an der Spitze des damaligen Bistums Berlin. Von 1989 bis zu seiner Emeritierung 2014 war er Erzbischof von Köln.