„Innerhalb einer Minute mitgeteilt“

Kardinal Müller kritisiert Stil seiner Absetzung durch den Papst

Deutliche Kritik an Papst Franziskus übt Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller. Der „Passauer Neuen Presse“ (Donnerstag) sagte er, Franziskus habe ihm die Entscheidung über die Nichtverlängerung seiner Amtszeit als Präfekt der Glaubenskongregation am letzten Tag seines Mandats „innerhalb einer Minute mitgeteilt“, ohne Gründe zu nennen. „Diesen Stil kann ich nicht akzeptieren“, sagte Müller. Auch für den Umgang mit Mitarbeitern in Rom müsse die Soziallehre der Kirche gelten.

Auf die Frage nach seinem momentanen Verhältnis zum Papst verwies Müller auf Äußerungen von Franziskus selbst. Dieser habe gesagt, „dass das Verhältnis persönlich immer sehr gut war“. Müller bestätige den Eindruck: „Das gilt auch heute noch.“ Der Papst habe diese Entscheidung getroffen, die ihm auch zustehe.

Vermittler zwischen Papst und Kardinälen?

Er wolle sich nicht „vor den Karren einer papstkritischen Bewegung spannen“ lassen. „Ich habe als Kardinal weiterhin die Verantwortung, für die Einheit der Kirche zu sorgen und Polarisierungen so weit wie möglich zu verhindern.“

Eine neue konkrete Aufgabe hat Müller nach eigenem Bekunden noch nicht. Dem Papst bot er sich in dem Interview als Vermittler für ein Gespräch mit den drei noch lebenden Kardinälen an, die öffentlich Zweifel an der Ehelehre von Franziskus angemeldet hatten. Der vierte Unterzeichner eines entsprechenden Briefes, Kardinal Joachim Meisner, war am Mittwoch gestorben.

„Amoris laetitia“: Interpretationen „nicht überzeugend“

Müller sagte, er könne ein solches Gespräch moderieren, „weil ich die Kompetenz und auch das Verantwortungsbewusstsein dafür habe“. Der ehemalige Präfekt sagte, ihm wäre lieber gewesen, wenn der Brief der Kardinäle nicht öffentlich diskutiert worden wäre. Müller ergänzte, er sei immer loyal zum Papst gewesen und wolle es bleiben.

Die bisher vorgelegten Interpretationen zum Papst-Schreiben „Amoris laetitia“, unter anderem vom Wiener Kardinal Christoph Schönborn und von Kardinal Walter Kasper, nannte Müller „nicht überzeugend“. Ein Symposium „von wirklichen Fachleuten“ könnte aber dafür sorgen, dass der Spagat zwischen Lehre und Pastoral gelinge.