Früherer Leiter der Glaubenskongregation empört über „Beschimpfungen“

Kardinal Müller und Pater Mertes streiten über Homosexualität

In der Debatte um sexuellen Missbrauch und Homosexualität weist Kardinal Gerhard Ludwig Müller die scharfe Kritik von Jesuitenpater Klaus Mertes an ihm als „dreiste Beschimpfungen“ zurück. „Besinnungsloser Zorn“ habe dem Direktor des Jesuitengymnasiums St. Blasien die Worte eingegeben, sagte Müller der „Passauer Neuen Presse“ (PNP).

Im Interview mit dem Portal „katholisch.de“ hatte Mertes Aussagen Müllers als „zum Dogma geronnene klerikale Dünkel“ kritisiert. Dieser Dünkel sei ein Schlüssel zum Gesamtproblem Missbrauch.

Mertes: Müllers Aussagen sind dreist und falsch

Auch die Aussage des früheren Leiters der Glaubenskongregation, die Kirche müsse wegen der Missbrauchsfälle ihr Nein zur praktizierten Homosexualität bekräftigen, bemängelte Mertes. Es gebe eine Fraktion, die Homosexuellen die Schuld an der Krise der Kirche geben wolle. Die Aussagen Müllers seien „unglaublich dreist“ und „abgründig falsch“.

Müller hatte einem kanadischen Internetportal gesagt, mit Blick auf die Missbrauchsfälle müsse sich die Kirche mit der praktizierten Homosexualität in den Reihen des Klerus befassen. Die Sexualmoral der Kirche dürfe durch die weltliche Akzeptanz von Homosexualität nicht relativiert werden.

Müller: Mertes hat „kirchenpolitische Ziele“

Mertes hatte 2010 die ersten Missbrauchsfälle in der deutschen Kirche öffentlich gemacht. In der PNP sprach Müller dem Jesuiten „Sachkenntnis und Urteilskraft“ ab. Mertes nutze die Fälle „für kirchenpolitische Ziele“. Dagegen beurteile die Glaubenskongregation die Missbrauchsfälle auf einer wirklichen Datenbasis.