Graffito war in Sydney übermalt worden

Kardinal Pell in Handschellen: Künstler sprayt in Vatikan-Nähe

Der australische Künstler Scott Marsh hat ein zerstörtes Graffito von Kardinal George Pell reproduziert - in Vatikan-Nähe. Das Bild zeigt den wegen Missbrauchs verurteilten 78-jährigen australischen Kurienkardinal in Sträflingskleidung kniend und mit gefalteten Händen in Handschellen, überragt von einer satanischen Figur, die nach ihm greift.

Das Original an einem Parkhaus in Sydney nahe der früheren Bischofskirche Pells war vor einer Woche vom Parkhausbetreiber schwarz übermalt worden. Nun schuf Marsh eine identische zweite Version - an der Eisenbahnbrücke der römischen Station San Pietro, wenige Schritte vom Petersdom entfernt.

Offenbar Beschwerden der Kirche

Dem australischen Sender SBS sagte Marsh, nachdem das erste Wandgemälde offenbar nach Beschwerden der Kirche entfernt worden sei, sei für ihn klar gewesen, dass er es anderswo wiederholen müsse: „Ich dachte, was könnte ein besserer Ort sein als Rom.“ Erste Reaktionen in Italien seien positiv ausgefallen.

Kardinal Pell, ab 2001 Erzbischof von Sydney, wurde 2014 von Papst Franziskus mit der Leitung des Wirtschaftssekretariats im Vatikan betraut. Vergangenen Dezember wurde Pell von einem Geschworenengericht in Australien für schuldig befunden, 1996 als Erzbischof von Melbourne einen 13 Jahre alten Jungen missbraucht und einen anderen belästigt zu haben. Das Gericht verurteilte ihn zu sechs Jahren Haft. Pell legte Berufung ein.