Marx nennt Trennung der Christenheit „eine Tragodie“

Kardinal Reinhard Marx beendet Jubiläums-Wallfahrt in Kevelaer

Kevelaer ist für den Münchner Kardinal Reinhard Marx der Ort Europas. In seiner Predigt zum Abschluss der Kevelaerer Wallfahrtszeit im Pax-Christi-Forum sagte er am Mittwoch, am Kapellenplatz leuchteten Visionen, Impulse und Solidarität auf. „Hier schlägt die Stunde Europas“, rief er den Pilgerinnen und Pilgern aus dem In- und Ausland zu. Von Kevelaer gehe eine Dynamik der Zukunft und der Hoffnung aus, die die Menschen in Europa antreibe. „Deshalb ist dieser Ort so wichtig“, sagte Marx in seiner Ansprache, die immer wieder von lebhaftem Beifall begleitet wurde.

„Es sind doch die Christen, die das Zeugnis von der Liebe Gottes in die Welt tragen“, fuhr der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz fort. Jene Botschaft, die deutlich mache, dass jeder Mensch Bild Gottes sei. Auch Christen dürften heimatverbunden sein, sagte Marx, „aber nicht kleinkariert, nicht chauvinistisch und nationalistisch“.

Reformationsjahr gewürdigt

Zu Beginn seiner Ansprache hatte der Kardinal das Gedenken 500 Jahre nach Beginn der Reformation gewürdigt. Die Trennung der Christenheit nach den Erneuerungsbemühungen von Martin Luther bezeichnete Marx als „große Tragödie“. „Wir müssen weiter daran arbeiten, den christlichen Glauben in der Gesellschaft gemeinsam zu bezeugen.“ Er sei froh, dass das Jubiläumsjahr ohne Missklang gelungen sei.

Der Erzbischof von München und Freising erinnerte an den verzweifelten Mönch Luther, der keinen Trost im Glauben finden konnte, weil er annahm, dass Gott jemand sei, der Leistung erwartete. „Er konnte sich nicht vorstellen, dass Gott den Sünder umarmte.“ Luther sei auf der Suche nach dem liebenden Gott gewesen, und diese Suche sei bis heute nicht zu Ende.

Reformation „führte uns in die Freiheit“

Die Gedanken Luthers sind nach Ansicht von Marx auch ein geistlicher Durchbruch gewesen. „Es war der Weg, der uns in die Freiheit führte.“ Die Erfahrung Luthers habe gezeigt, dass Gottes Gerechtigkeit nicht dem Bild der Gerechtigkeit des Menschen entspreche. „Es ist keine Gerechtigkeit, die zählt und rechnet. Wir sind nicht gerechtfertigt durch unser Geld und unsere Macht, sondern durch die Barmherzigkeit Gottes“, sagte Marx.

Kardinal Reinhard Marx bei seiner Predigt. | Foto: Jürgen Kappel
Kardinal Reinhard Marx bei seiner Predigt. | Foto: Jürgen Kappel

Luthers Predigt habe den Menschen wieder die ursprüngliche Lehre vor Augen geführt, die in der Kirche damals verloren gegangen sei. Es sei ein zentraler Durchbruch Luthers gewesen, dass er deutlich gemacht habe, niemand könne ohne die Liebe Gottes glücklich sein. Diese Liebe gebe Trost und Ermutigung. Diesen Trost erfahre man am Kapellenplatz in Kevelaer.

Deshalb komme er nicht trotz, sondern wegen seiner vielen Aufgaben in der Weltkirche. „Wo sonst bekomme ich Trost in schweren Zeiten als bei Maria in Kevelaer?“, fragte der Kardinal schmunzelnd. Er antwortete mit diesen Worten auf die Begrüßung von Kaplan Christoph Schwerhoff, der den Kardinal als Pfarradministrator nach der Schließung der Pilgerpforte im Pax-Christi-Forum begrüßt hatte. Mit der symbolischen Schließung nach dem festlichen Pontifikalamt ist dieWallfahrtszeit im Jahr des 375-jährigen Jubiläums beendet.