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Bundeskanzler Friedrich Merz sorgte mit seinen umstrittenen Äußerungen für große Aufregung. Warum der Münchner Erzbischof die Sache anders sieht.
Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hält es eigenen Worten zufolge für wichtig, „dass unsere Städte und unsere Stadtentwicklung vielfältig bleiben“. Das Stadtbild müsse sich positiv verändern, immer in dem Sinne, „dass alle sich wohlfühlen und dass alle miteinander im Gespräche sind“, sagte Marx in einem Interview des Bayerischen Rundfunks. Kulturelle Vielfalt müsse sichtbar sein, zudem müsse das alles in Frieden und Toleranz geschehen.
Eine Stadt müsse sich überlegen, wie sie ihre Entwicklung plane, wo Wohnungen entstehen sollten und ob sie auch erschwinglich für Menschen mit geringerem Einkommen seien, so Marx. Es stelle sich die Frage, ob es eine Chance gebe, dass sich bürgerliche Kreise und andere zusammentäten. Die Menschen sollten gemeinsam leben. Dies gelte unabhängig davon, ob es Deutsche oder Ausländer seien. Stadtviertel dürften sich nicht abschotten. Aber dafür müsse man eben auch etwas tun.
Marx: Migration ist notwendig
Marx sagte, ihn ärgere, dass das Migrationsthema derzeit wie ein Bedrohungsszenario entfaltet werde. Es gelte, die positive Botschaft zu senden, dass Deutschland froh sei, dass viele Menschen gekommen seien und arbeiteten. „Die Migration ist notwendig für uns.“ Es sei nur ein kleiner Teil an Migranten, die kriminell geworden seien und abgeschoben werden sollten. Angesichts der demografischen und wirtschaftlichen Situation gelte es, Migration als Chance zu betrachten. Allerdings müsse noch mehr, auch finanziell, für Integration getan werden. Auch die Kirche leiste dazu ihren Beitrag.
Nach Angaben des Senders wurde das Interview am 13. Oktober aufgezeichnet, also noch bevor Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Zusammenhang mit Migration von einem „Problem“ im Stadtbild sprach. Ende September hatte bereits CSU-Chef Markus Söder im „Münchner Merkur“ gesagt, das Stadtbild müsse sich wieder verändern, es brauche mehr Rückführungen.