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Leben, Sterben und Tod: Darüber spricht man nicht gern. Wohl, weil es um die wichtigsten Fragen geht. Wie die Heilige Woche sich ihnen stellt.
An Karfreitag geht es um alles, um Leben und Tod. Doch was wegen der steten liturgischen Wiederholung dieses Lebens- und Glaubensgeheimnisses auch in der Gefahr steht, gewöhnlich zu werden, ist es ganz und gar nicht. Die große Frage, die der Karfreitag aufruft, ist die Frage, die Jesus selber ausruft, sterbend am Kreuz: Warum? Warum muss einer, muss er sterben, damit die Welt erlöst wird? Und: Wo ist da Gott?
Für uns klingt die Frage vertrauter, wenn wir sie in unser Leben holen: Warum das Leid – in der Welt, in den Kriegsgebieten, auf den Straßen unseres Landes, in unserem privaten Umfeld, in mir selber? Warum lässt Gott das zu? Dahinter klingt die viel größere Frage mit: Warum überhaupt müssen wir sterben? Warum alle Liebe, wenn letztlich alle loslassen müssen? Warum die Schöpfung, wenn doch alles vergänglich ist? Warum überhaupt leben, wenn am Ende doch alles zu Ende sein wird? …
Jesus macht ernst
Wer wagt, nicht nur die Fragen zu stellen, sondern sich diesen Fragen zu stellen in aller Mühseligkeit? Für all das hat unser Glaube diesen Tag. Den Karfreitag – einen Tag voll Gewalt und Tod, Leid und Trauer. Und doch: Ohne das Leben vor dem Tod und ohne das Leben nach dem Tod wäre Jesu Tod so sinnlos wie tausende andere in der Geschichte der Menschheit.
Und ohne den Tod, seine Hingabe, sein Opfer, wäre seine Botschaft, seine Lehre eben dies, aber nicht mehr. Sein Tod aber macht ernst mit seinem Leben. Sein Tod hat, so sagt es unser Glaube, alles verändert: die Welt, unsere Sehnsucht nach Heilsein, nach Erlösung und Vergebung, den Kampf zwischen Gut und Böse, Tod und Leben.
Glaube stellt sich dem Leben
Doch erst einmal ist das Schwere auszuhalten. Unser Glaube stellt es in unser Leben, stellt sich diesem Schweren – so wie Gott sich diesem Schweren gestellt hat, indem er es selber erlitten hat.
Wer diesen Tag redlich begeht, erfährt womöglich, dass wie der Vorhang des Tempels von Jerusalem auch die Angst zerreißt, das Böse könnte doch siegen. Und das Kreuz zum Zeichen dafür wird, dass die Hoffnung einen guten Grund hat.