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Caritas-Präsidentin über den Karneval: „Es steckt eine Superkraft darin“

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Krisen, Kriege, Karneval: Caritas-Chefin Eva Maria Welskop-Deffaa über die "tollen Tage", eigene Erlebnisse und dazu, wie Karneval alle mitnimmt.

Frau Welskop-Deffaa, was verbinden Sie persönlich mit Karneval?

Meine Lieblingskarnevalsgeschichten verbinden sich mit Hürth. Dort haben wir zwölf Jahre lang vor den Toren Kölns gelebt und ich habe eine Katholische Öffentliche Bücherei geleitet. Mit unseren jugendlichen Leserinnen waren wir mehrfach beim Veedels-Zug dabei, als "Bücherwurm vom Kirchenturm" oder als Leseratten, immer mit selbstgebastelten Kostümen. Und einmal wurden wir sogar ausgezeichnet als die schönste Gruppe im Zug.

Sie sind also ein Karnevalsfan?

Ja. In der Verkleidung steckt die Chance, den Alltag hinter sich zu lassen, neu auf Mitmenschen zuzugehen, aus anderer Perspektive auf das Leben zu schauen. Dazu wollen wir auch mit unserer diesjährigen Caritas-Kampagne "Caritas verbindet Generationen" einladen. Auf den Plakaten sieht man einen großen und einen kleinen Stiefel, die dazu auffordern, eine Meile in den Schuhen eines anderen zu gehen - wie das amerikanische Sprichwort sagt, um ihn besser zu verstehen. Es steckt eine Superkraft darin, sich als Prinzessin oder Löwe zu verkleiden. Und: Die kostümierte Horizonterweiterung hat nichts mit Alkohol zu tun, für den der Karneval immer mal wieder in Misskredit gerät.

In vielen Karnevalsliedern geht es ums Zusammenkommen und Gemeinsamkeit. Aber ist der Karneval wirklich für jeden offen? Auch für arme Menschen und Menschen mit Behinderung?

Zur Person:
Eva Maria Welskop-Deffaa (66) läuft an diesem Rosenmontag mit der örtlichen Caritas beim Umzug in Köln mit, als Lappenclown verkleidet. Anlass ist der 111. Geburtstag der Kölner Caritas.

Karneval ist die Einladung an alle, gemeinsam zu feiern, und wir als Caritas tragen dazu bei, dass das gelingt. In unseren Altenhilfeeinrichtungen gibt es wunderbare Karnevalsveranstaltungen mit Musik und Tanz. Wir sorgen dafür, dass Menschen im Rollstuhl zum Rosenmontagszug kommen. Und wir laden Kinder zum Kostümbasteln ein. Auch wenn der Karneval seine eigene Elite hat, bleibe ich dabei: Karneval verbindet Menschen aller Generationen und aller Milieus.

Warum ist es wichtig, dass möglichst alle mitmachen können beim Karneval?

Ich fände es fatal, wenn die Befreiung aus den Sorgen des Alltags, die der Karneval möglich macht, den Schönen und Reichen vorbehalten bliebe. Inklusives Feiern - das steckt doch im Herzen des Karnevals drin. Dazu gehören übrigens auch die Kamelle, die in Köln in opulenter Großzügigkeit geworfen werden: Teilen verbindet. Das ist eine Geste, die auf die christlichen Wurzeln des Karnevals verweist. Es tut einer Gesellschaft gut, wenn Menschen bereit sind, mit anderen zu teilen.

Angesichts aktueller Kriege und Krisen blicken manche mit Stirnrunzeln auf die ausgelassene Stimmung. Können Sie das nachvollziehen?

Um in Krisenzeiten nicht zu verzweifeln, um Ohnmachtsgefühle im Angesicht der großen Probleme unserer Welt zu überwinden, brauchen Menschen Momente der Fröhlichkeit. Nur so können sie resilient, können sie widerständig bleiben. Der Karneval ist eine notwendige Pause, eine Kraftquelle. Außerdem ist gerade der Kölner Karneval auch ein politischer Karneval. Die Wagenbauer setzen sich auseinander mit den Gräuel unserer Zeit. Der Karneval enttarnt die Trumps dieser Welt und gibt ihre Herrscherallüren der Lächerlichkeit preis - ein wirksames Instrument des Widerstands seit Napoleons Zeiten.

Wie bereiten Sie sich auf den Rosenmontagszug in Köln vor? Sie sind mit einer Fußgruppe unterwegs und müssen rund acht Kilometer laufen.

Im Moment trinke ich viel Ingwertee, um meine Erkältung zu verscheuchen. Außerdem habe ich ein Paar riesige Clownsschuhe gekauft, die ich am Sonntag tragen werde. Da besuche ich mit den Kölner Kolleginnen und Kollegen drei Caritas-Einrichtungen und stimme mich, als Clown verkleidet, auf den großen Jubiläumstag ein. Außerdem lese ich ein wenig in der Chronik des Verbandes, denn meine Teilnahme gilt dem 111. Geburtstag des Ortscaritasverbandes in Köln, dem Gründungsort des Deutschen Caritasverbandes. Spurensuche und Zukunftswege, das wollen wir am Rosenmontag verbinden.

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