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Zeichen von Solidarität sind heute womöglich wichtiger denn je. Und dieses muss nicht teuer sein, weiß Klaus Nelißen.
Ich ahne, dass für Westfalen das Drama, das sich vor fünf Jahren in Köln abspielte, undramatischer ist, als es am Rhein war: Der Rosenmontagszug fiel aus, Corona sei Dank.
Aber nachdem im Jahr zuvor auch die Kirchen im Lockdown schlossen, waren Gottesdienste noch erlaubt. Und so hatte sich damals an der Kölner Agneskirche eine kleine Gruppe formiert, die einen „Gottesdienst“ plante, der möglichst viel „bergen“ sollte vom Kölner Karneval. Das war unser Ziel. Und dieser Gottesdienst, unter Corona-Bedingungen im Netz ausgestrahlt, der findet bis heute an jedem Montag vor Rosenmontag statt – quasi in Konkurrenz zum „ZiBoMo“ in Münster-Wolbeck.
Wo Kirche Menschen erreicht
Der Autor
Klaus Nelißen ist stellvertretender Rundfunkbeauftragter der NRW-Diözesen beim WDR. Der Pastoralreferent des Bistums Münster volontierte bei der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) und studierte Theologie in Münster und Berkeley, Kalifornien.
Der Karnevalsgottesdienst „Alaaf und Amen“ ist ungemein erfolgreich, obwohl wir Initiatoren uns gleich mit dem ersten Gottesdienst finanziell fast ruinierten. Denn: Der Gottesdienst wird gestreamt. Das kostet Geld. Viel Geld. Und beim ersten Gottesdienst luden wir Jürgen Becker (Stunksitzung, WDR-Mitternachtsspitzen) als Gastprediger ein. Im karnevalistischen Sinne war das ein Erfolg und für das eher linke Gottesdienstpublikum auch.
Aber mit den Kirchenoberen bekamen wir derartigen Ärger, dass Geld für die nächste Übertragung nicht zu erwarten war. Seitdem finanzieren wir die Streaming-Firma jedes Jahr durch Spenden. Und sammeln Gelder in Höhe eines Kleinwagens. Das war anfangs gewagt. Aber es zeigte sich: An den Stellen, an denen Kirche die Menschen erreicht, sind diese bereit, auch was zu geben. Nicht nur zeichenhaft, sondern handfest.
Zeichen müssen nicht teuer sein
Zeichenhaft für diesen Gottesdienst ist übrigens die Agnes-Statue, die vor der Kirche auf den Platz schaut. Und zum Karneval „verkleidet“: Als die dramatische Karnevalssession vor fünf Jahren begann, da hatten wir in der Agnesgemeinde den Impuls, ihr eine rote „Pappnas“ aufzusetzen und dazu den bunten „Mottoschal“ des Kölner Karnevals um den Hals zu legen. Das war eigentlich gedacht als kleines Zeichen. Günstig ist das auch. Aber die Wirkung war und ist enorm: Die Menschen aus dem „Agnesveedel“ lieben es, dass ihre „Frau Agnes“ derart mitfeiert. Das Bild wird jedes Jahr in den sozialen Medien geteilt, es erklärt sich selbst. Es braucht keine Katechese. Es zeigt einfach: Ich bin mit Euch.
Die Pappnas als Sakrament: ein sichtbares Zeichen. Diese Zeichen brauchen wir mehr denn je. Zeichen von Solidarität und liebevoller Verbundenheit. Das Sakrament der Kölner Pappnas zeigt mir: Zeichen müssen nicht teuer sein, sondern gut gewählt. Kirche kann Zeichen setzen. Zeichen sind wichtig. Und die richtigen Zeichen sind den Menschen dann auch was wert.
In unseren Gast-Kommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.