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Auch die Kirchen sind beim Umzug durch die Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen dabei. Der evangelische Präses Thorsten Latzel erklärt warum.
Karneval und Toleranz der Religionen: Mit dem Düsseldorfer Rosenmontagszug rollt zum fünften Mal ein Toleranzwagen. Der Wagen „Toleranz ist das Fundament des Friedens“ wurde vom Künstler Jacques Tilly gestaltet. Mit dabei sind Katholiken, Protestanten, Muslime, Juden, Orthodoxe, Buddhisten, Kopten und Aleviten. Auch der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, fährt auf dem Wagen mit.
Was motiviert Sie, auf dem Toleranzwagen mitzufahren, Herr Präses?
In der Gesellschaft driften wir zurzeit eher auseinander, da brauchen wir starke Zeichen von Gemeinschaft über Grenzen hinweg. Es ist gut, wenn wir als Kirchen und Religionsgemeinschaften dabei vorangehen und Vorbild sind. So verschieden unser Glauben ist, jede und jeder tritt aus der eigenen Tradition ein für Begegnung, Wertschätzung des anderen und eine Gesellschaft, in der wir ohne Angst verschieden sein können. Wenn wir auf dem Toleranzwagen gemeinsam feiern, ist das ein starkes und wichtiges Signal. Und für mich meine erste richtige Teilnahme am rheinischen Karneval, auf die ich mich sehr freue.
An welchen Stellen in unserer Gesellschaft brauchen wir mehr Toleranz?
Wir brauchen sie überall: auf den Schulhöfen, bei der Arbeit, in unseren Familien, auch in unseren Kirchen. Ob Ukraine, Klima, Migration, Gendern, Corona – wir haben eine Fülle von Themen, bei denen es uns schwerfällt, mit anderen zu reden. Und das ist nicht gut. Toleranz ist für mich dabei immer nur ein Zwischenschritt. Wir brauchen den Mut, in Liebe mit anderen zu streiten. Dazu gehört es, erst einmal hinzuhören, die Erfahrungen und Anliegen meines Gegenübers zu verstehen, zwischen Person und Meinung zu unterscheiden, Differenzen inhaltlich klar zu benennen, aber davon die Beziehung nicht bestimmen zu lassen. Christlich gesprochen meint das Nächstenliebe. Das kann man übrigens vom Karneval lernen: Jeder Jeck ist anders.
Wo sollte Toleranz auch Grenzen haben, um die Grundwerte unserer Gesellschaft zu schützen?
Die Grenzen liegen bei einer gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit: dort, wo Menschen ihre Würde abgesprochen wird, wo Nationalismus und Hass verbreitet werden, wo unsere offen-demokratische Gesellschaft angegriffen wird. Konkrete Beispiele sind dafür der wachsende Antisemitismus, das unselige Geraune von Remigration, die abwertende Rede von Menschen anderer Herkunft, anderer sexuellen Orientierung, anderen Aussehens oder anderer Religion. Das widerspricht zutiefst dem christlichen Glauben. Jesus Christus hat uns gelehrt, selbst unsere Feinde zu lieben. Das heißt aber nicht, andere einfach machen zu lassen – es gilt, Menschen und ihre Taten zu unterscheiden. Gegenüber Gewalt, Hass und Intoleranz gibt es keine Toleranz.