FRANKREICH

Fünf Jahre nach der Brandstiftung: Kathedrale in Nantes öffnet wieder

Anzeige

Kurz nach Notre Dame in Paris brannte die Kathedrale von Nantes. Die Geschichte einer Brandstiftung - und eines mutmaßlichen Mordes.

Kann ein 63 Meter hohes, 110 Meter langes Gebäude im Schatten stehen? In gewisser Weise schon. Denn nochmal wird Frankreich an diesem Wochenende nicht derart groß feiern wie im Dezember 2024 bei Notre Dame in Paris. Dabei widerfuhr der Kathedrale von Nantes durchaus Ähnliches. Die vor fünf Jahren in Brand gesteckte spätgotische Bischofskirche Peter und Paul wird ab 27. September feierlich wiedereröffnet.

An einem Samstagmorgen um 7.45 Uhr, am 18. Juli 2020, bricht ein Brand in der Kathedrale aus. Binnen kurzer Zeit sind 104 Feuerwehrleute vor Ort. Nach kaum drei Stunden sind die Flammen zwar unter Kontrolle, doch in der 600 Jahre alten spätgotischen Fassade klafft eine rußgeschwärzte Wunde.

Das kostbare Glas im Spitzbogenfenster über dem Hauptportal aus dem 16. Jahrhundert hat der Hitze nicht standgehalten, ist zerborsten. Die darunter liegende Orgel, ein mächtiges Instrument mit 74 Registern aus dem 17. Jahrhundert, haben die Flammen vollständig zerstört, dazu Kunstgegenstände und Gemälde. Das prächtige Renaissance-Grabmal des bretonischen Herzogs François II. und seiner Frau Marguerite ist nur knapp der Vernichtung entgangen.

Es war Brandstiftung!

Anders als in Paris deutet hier alles auf Brandstiftung hin. An drei Stellen wurde Feuer gelegt: direkt an der Orgel sowie links und rechts davon im Hauptschiff. Einbruchsspuren finden sich nicht. Wenig später nimmt die Polizei einen 39-jährigen Mann aus Ruanda fest, einen ehrenamtlichen Mitarbeiter der Diözese. Zu den Aufgaben von Emmanuel Abayisenga gehört es, die Kathedrale auf- und abzuschließen.

Nach einer Woche gesteht Abayisenga die Tat. Sein Asylantrag war abgelehnt, die Aufenthaltsgenehmigung nicht verlängert worden. Von Abschiebung bedroht, obsiegt die Wut. Er wird zum Trittbrettfahrer des Brandes von Notre Dame.

Und macht es wohl noch schlimmer: Vor dem Prozess, nach der zeitweisen Entlassung aus der Untersuchungshaft, wird der reumütige Ruander in der kleinen Gemeinde Saint-Laurent-sur-Sèvre in der Vendée aufgenommen, knapp 60 Kilometer von Nantes entfernt. Von Olivier Maire, einem 61-jährigen katholischen Ordenspriester.

Und es war wohl Mord!

Am 9. August 2021, fast genau ein Jahr nach der Brandstiftung, meldet sich Abayisenga bei der Polizei: Père Olivier sei tot; er habe ihn getötet.

Im Anschluss wird der offenkundig labile Ruander zu vier Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt - für die Zerstörung der Kathedrale. Für den mutmaßlichen Mord steht das Urteil noch aus.

Noch längst nicht alles wiederhergestellt

Die eigentlich für Ende 2024 geplante Wiedereröffnung der Kathedrale verzögerte sich dann. Nicht nur wegen hoher Bleibelastung durch die geschmolzene Orgel. Sondern auch, weil festgestellt wurde, dass weitere umfangreiche Arbeiten erforderlich waren. Vor allem bei Stromversorgung, Beleuchtung und Sicherheit; sie wurden komplett erneuert.

Auch jetzt sind die Arbeiten lange nicht abgeschlossen. Die Westfassade wird noch für drei weitere Jahre restauriert, ein großes Gerüst steht nach wie vor, auch das erste Joch des Kircheninneren bleibt noch geschlossen. Das große Tafelbild "Der heilige Clair heilt die Blinden" aus dem 19. Jahrhundert ist in Flammen aufgegangen. Und die große Orgel wartet noch darauf, ersetzt zu werden. Das Grabmal der Herzöge der Bretagne wird erst 2026 zurückkehren.

Trotzdem soll am Wochenende gefeiert werden. Das Programm startet mit Zeremonien zu Ehren der Feuerwehrleute, der Ordnungskräfte und der an der Restaurierung beteiligten Handwerker. Am Samstagabend folgen ein Konzert mit Vesper in der Kathedrale, am Sonntag zunächst geführte Besichtigungen, am Nachmittag dann die Messe zur Wiedereröffnung.

Anzeige

Komplet - der Abend-Newsletter von Kirche+Leben

JETZT KOSTENLOS ANMELDEN



Mit Ihrer Anmeldung nehmen Sie die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis.