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Große Reforminitiativen sind vom Katholikentag nicht zu erwarten. Warum das Christentreffen in Würzburg dennoch wichtig ist.
Schon lange locken Katholikentage keine Menschenmassen mehr an. Das ist Ausdruck des sinkenden gesellschaftlichen Einflusses der Katholischen Kirche in Deutschland. Aber noch immer sind Katholikentage wertvolle Foren des Glaubens und des innerkirchlichen und gesellschaftlichen Dialogs. Sie sind noch immer jedes Jahr wieder Tage des Aufbruchs für Teilnehmer, aber auch für Daheimgebliebene, die das Geschehen über Medien verfolgen. Getreu dem diesjährigen Motto „Hab Mut, steh auf!“
So war es auch wieder in Würzburg. In einer reformunfähigen, gespaltenen und immer gottloseren Gesellschaft sehen wir Katholiken uns richtigerweise als „pilgernde Kirche”, die aus dem Glauben heraus einen Beitrag zum gesamtgesellschaftlichen Gelingen leistet. Wir Katholiken wollen gesellschaftlich relevant bleiben. Das ist eine gute Nachricht.
Kirchliche Reformperspektive fehlt
Der Autor
Ulrich Suffner ist Chefredakteur der Redaktion der OM-Mediengruppe, die im südoldenburgischen Teil des Bistums Münster die „Oldenburgische Volkszeitung“ in Vechta, die „Münsterländische Tageszeitung“ in Cloppenburg und das lokale Nachrichtenportal „OM online“ herausgibt. Der Katholik ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Söhnen.
Andererseits haben die Tage in Würzburg auch wieder gezeigt, dass Debatten allein unter mittlerweile sehr unterschiedlich denkenden und sozialisierten Katholiken noch keine religiöse Gemeinschaft machen. So darf das Glaubensleben bei allen Problemen dieser Welt nicht zu kurz kommen, soll die Kirche Zukunft haben.
Es fehlt im Kleinen wie im Großen in frustrierendem Maße an Reformperspektive, aber eben auch an geistlicher Botschaft, die anschlussfähig ist für Menschen, die auf der Suche nach Gott sind. Ganz sicher braucht es nach der schweren, von Missbrauch ausgelösten Vertrauenskrise der vergangenen Jahre in unserer Kirche mehr Synodalität, aber ebenso auch deutlich mehr Menschen mit missionarischer Ausstrahlung. Faszinierende Glaubensverkünder mit bundesweiter Resonanz lassen sich an einer Hand abzählen.
Kirche muss relevant bleiben
Unser Verständnis von Kirche ist allzu oft von Schubladen geprägt, in die wir uns und andere in den vergangenen Jahrzehnten des Niedergangs hineinsortiert haben. Hier innerkirchliche Reformer, dort Hüter des wahren Glaubens. Hier gesellschaftliches Engagement aus dem Evangelium, dort allein auf Erlösung ausgerichtete Glaubensverkündigung.
Die Katholische Kirche muss gesellschaftlich relevant bleiben, sich reformieren, aber zugleich eine religiöse Perspektive bieten. Beide Aufgaben gehören zusammen. Nur so löst die Botschaft Jesu neue Begeisterung aus. Sollten in diesem Sinne in Würzburg Menschen gemeinsam aufgebrochen sein, hat sich für sie und uns auch der 104. Deutsche Katholikentag wieder gelohnt.