KATHOLIKENTAG

Jung vor 11.000 Menschen in Würzburg: Religion nicht politisch missbrauchen

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Schutz des Lebens, Reformen in der Kirche, Gefahren für die Demokratie: Schon im Eröffnungsgottesdienst setzt der Katholikentag auf klare Botschaften.

Von KNA

Der Würzburger Bischof Franz Jung warnt davor, Religion für politische Zwecke zu missbrauchen. Beim Eröffnungsgottesdienst des Katholikentags mit dem Motto "Hab Mut, steh auf!" sagte er am Donnerstag: "Hab Mut, steh auf und wage den Widerspruch gegen alle Machthaber dieser Welt, die sich in Allmachtsfantasien ergehen und diese auch noch religiös verbrämen." Gottes Reich gründe weder auf Gewalt noch auf Unterdrückung oder Einschüchterung.

"Seine Botschaft vom Gottesreich darf deshalb auch nicht missbraucht werden zur Rechtfertigung irdischer Herrschaftsansprüche", fügte Jung in seiner Predigt in Würzburg hinzu. "Denn überall da, wo Menschen für sich in Anspruch nahmen, im Namen Gottes zu herrschen, haben sie Blutbäder angerichtet und richten noch heute Blutbäder an."

Bischof Jung fordert Schutz des Lebens von Anfang bis Ende

Der Bischof rief als Gastgeber des bis Sonntag dauernden Christentreffens dazu auf, die Würde aller Menschen als höchstes Gut zu verteidigen gegen zunehmende Angriffe von allen nur denkbaren Seiten. Kirche müsse dabei vor allem auf der Seite derer stehen, die sich selbst am wenigsten wehren könnten. Sie setze sich daher besonders ein "für den Schutz des ungeborenen Lebens, für die Würde der kranken Menschen, der Menschen mit Behinderung und der sterbenden Menschen".

Jung verwies darauf, dass die Kollekte des Gottesdienstes an den "Herzenswunsch-Krankenwagen" der Malteser geht: "Dieses Auto dient dazu, Menschen, die vom Tod gezeichnet sind, einen letzten Wunsch zu erfüllen. So werden sie in ihrer Würde bestärkt. So wird ihnen auf ihrem letzten Weg noch einmal Lebensfreude geschenkt."

Jung fordert Mut zu Reformen in der Kirche

Das Katholikentagsmotto "Hab Mut, steh auf" gelte aber auch für Reformen innerhalb der katholischen Kirche, so Jung weiter: "Wir müssen mutig aufstehen, um die Fragen zu stellen, die jetzt nach einer Antwort aus dem Glauben harren. Die Frage nach der Stellung der Frau im Blick auf die kirchlichen Ämter. Die Frage nach einem tieferen Verständnis dessen, was Synodalität heißt. Die Frage, wie Missbrauch von Macht verhindert werden kann."

Am Gottesdienst zum Feiertag Christi Himmelfahrt nahmen trotz des Regenwetters rund 11.000 Menschen teil. Anschließend nahm der Katholikentag seine inhaltliche Arbeit auf.

Ehrenamt, Fake News und Depression

Besuchen Sie Kirche+Leben in Würzburg!
Willkommen in Würzburg! Wenn Sie beim Katholikentag dabei sind, erwartet Sie Chefredakteur Markus Nolte am Stand von Kirche+Leben und Emmaus-Reisen im Zelt der Nordbistümer, in dem sich auf Einladung der Darlehnskasse Münster (DKM) die Diözesen Münster, Osnabrück, Hildesheim und Hamburg präsentieren. Sie finden uns nach einem kurzen Gang von der Würzburger Innenstadt über die Friedensbrücke rechts direkt am Mainufer (Stand FB-N-19).

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will nach dem Gottesdienst kirchliche Verbände besuchen und diskutiert bei einem Podium über Ehrenamt und Demokratie. Bei anderen Podien geht es etwa um Kirchenreformen, Fake News und die Aufarbeitung von Missbrauch. 

Zum Programm am Donnerstag gehören aber auch ein Mitmachzirkus, ein Gottesdienst mit Clowns, eine spirituelle Weinwanderung sowie ein Live-Podcast mit dem Entertainer Harald Schmidt und Speyers Bischof Karl-Heinz Wiesemann zum Umgang mit Depression.

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