Kommentar von „Kirche+Leben“-Chefredakteur Christof Haverkamp

Katholikentag in Münster: So populär und politisch wie lange nicht

Heute endet in Münster der 101. Katholikentag. Mit 75.000 Gästen aus ganz Deutschland war er der erfolgreichste seit 1990. Nicht nur zahlenmäßig, meint Chefredakteur Christof Haverkamp in seinem Kommentar.

Dieser Katholikentag, das lässt sich schon jetzt sagen, ist so gut besucht und so politisch wie kein Katholikentag der vergangenen Jahre. Ein großes Fest des Glaubens, ja, das ist das Treffen in Münster auch. Aber bei einer harmlosen, unverbindlichen Feststimmung ist es in Münster nicht geblieben. Ernsthafte Debatten prägten bereits die ersten Tage – und sie waren keineswegs auf binnenkirchliche Themen oder ein Kreisen um sich selbst beschränkt.

Das hat viel mit gravierenden politischen Veränderungen zu tun. Wichtige Punkte, die noch vor wenigen Jahren selbstverständlich waren – etwa die Einheit in der Europäischen Union oder die globale Rolle der USA – sind in der Außenpolitik längst nicht mehr selbstverständlich.

Frömmigkeit und Friedenseinsatz gehören zusammen

In der Innenpolitik hat sich die Parteienlandschaft aufgefächert, haben rechtspopulistische Strömungen und Fremdenfeindlichkeit an Boden gewonnen. In der Gesellschaft nimmt der Individualismus zu. Im Internet herrscht oft ein rauer Ton. Muslime, Juden, Christen werden von Andersdenkenden heftig attackiert.

Diese Entwicklungen können Christen nicht egal sein, das hat Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der Katholiken, mit seiner intellektuellen Kraft oft betont. Sie wollen die Welt mitgestalten, Verantwortung übernehmen. Das belegt auch die erstaunlich politisch geprägte Rede des gastgebenden Bischofs Felix Genn auf der Eröffnungs-Pressekonferenz. Frömmigkeit und Friedens-Einsatz gehören für ihn zusammen.

Das Motto von Münster bleibt unvergessen

Und noch etwas ist zu beobachten: Wie kaum einer der jüngsten Katholikentage ist das Treffen in Münster vom Leitwort bestimmt. Kann sich noch jemand an das Motto von Leipzig, an das von Regensburg und  Mannheim erinnern? Diese Leitworte sind längst vergessen. „Suche Frieden“ – das bleibt im Gedächtnis.