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Es braucht mutige Menschen für den kirchlichen Wandel. Der Katholikentag bietet Chancen, die ergriffen werden müssen, sagt Rike Bartmann.
„Hab Mut! Steh Auf!“ – so lautet das Motto des diesjährigen Katholik*innentages, der am Mittwoch, 13. Mai, in Würzburg beginnt. Angelehnt an das Markus-Evangelium und die Heilung des blinden Bartimäus, den Jesus ermutigt, aufzustehen, wurde dieser Leitgedanke gewählt, um „Menschen zu ermutigen, ihrem Glauben zu folgen, aktiv zu werden und sich gegen Hass zu stellen“, so die KI-Zusammenfassung bei Google.
Das Programm bietet viele Wortspiele mit dem Wort Mut: ZuMUTung, MUTmachcafé, LöwenMUT, MUTanfall – das sind nur einige Schlagworte.
Vorurteile abbauen
Die Autorin
Rike Bartmann ist pädagogische Referentin bei der Katholischen Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NRW e. V. Sie wuchs im Sauerland auf, hat ihre Wurzeln in der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG), studierte katholische Theologie und ist Autorin und Sprecherin bei „Kirche in 1Live“ im WDR-Hörfunk.
Und wenn Sie mich fragen: Diesen Mut braucht unsere Kirche aktuell mehr denn je! Mut für Wandel! Mut für Umgestaltung! Mut, sich auf neue Wege zu begeben!
Mit Blick auf queere Menschen in der Kirche und den Umgang mit Vielfalt und Liebe für alle finden sich 23 Programmbeiträge unter dem Begriff queer in der Schlagwortsuche in der Katholik*innentags-App. Ich wünschte, alle Besucher*innen würden einmal im Laufe der vier Tage bei einer dieser Veranstaltungen auftauchen: Einen Kaffee im Regenbogencafé trinken oder über Queerness und Vielfalt im Religionsunterricht diskutieren. Vorurteile abbauen und echte Begegnungen schaffen!
Wo wird über Missbrauch diskutiert?
Weiter geht die fröhliche Programmsuche: Wenn ich das Wort Missbrauch in der KT-App eingebe, kommen nur 16 Treffer, bei sexualisierter Gewalt sind es sieben (die allesamt in den obigen 16 Treffern enthalten sind). In einer Zeit, in der ein Missbrauchsgutachten nach dem nächsten veröffentlicht wird, in einer Zeit, in der es sogar Erz(!)bistümer schaffen, Dialogforen anzubieten, um über sexualisierte Gewalt und sexuellen Missbrauch in den Austausch zu kommen, da wird bei der größten deutschen katholischen Veranstaltung so wenig Platz für Diskussion und Austausch geboten??! Unfassbar schade!
Seit über zwanzig Jahren treffe ich auf den Katholik*innentagen Menschen aus der katholischen Jugendverbandsarbeit, Menschen, die mutig vorangehen, Themen ansprechen und den Finger auch mal in die Wunde legen, wenn es um queere Fragen und Vielfalt geht, um Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in kirchlichen Kontexten sowie um sexualisierte Gewalt. Dort erlebe ich Mut und Kraft, Aufstehen und Loslaufen, auch wenn der Weg steinig sein mag.
Einen Windhauch von diesem Mut: Für alle Besucher*innen des Katholik*innentages und darüber hinaus für uns als Christ*innen – diesen Mut wünsche ich uns! Stehen Sie auf! Gehen Sie los!
In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.