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Beispiele für ökumenische Zusammenarbeit gibt es einige. Dennoch braucht es neuen Schwung in der Kooperation, sagt Aurica Jax.
Ende Januar trafen wir uns trotz Glatteis in Haltern am See. Alle Interessierten aus dem Bistum Münster und den entsprechenden evangelischen Landeskirchen waren eingeladen. Meine evangelischen Kollegen und ich hatten die Veranstaltung organisiert. „Wir“, das waren in diesem Fall alle, die sich bei einem „Impuls- und Vernetzungstag“ über „verbindliche Ökumene“ austauschen wollten.
Verbindliche Ökumene, was soll das heißen? Es geht darum, ökumenische Zusammenarbeit – die sich selbstverständlich nicht auf die beiden mitgliederstärksten Kirchen beschränkt – nicht nur von den am Ort seelsorglich Tätigen abhängen zu lassen, sondern ihr ein Fundament zu verleihen. „Fundament“ entweder bildlich, wie in Form einer Vereinbarung – etwa in Münster-Nienberge – oder sogar wörtlich gemeint, in der gemeinsamen Nutzung von Gebäuden, wie es erfolgreich in Oelde geschieht. Ökumenische „Tandems“ aus beiden Orten teilten in Haltern ihre Erfahrungen und warben für nachhaltige ökumenische Zusammenarbeit. Das dritte Tandem kam aus Orsoy – wussten Sie, dass es dort eine ökumenische Kirche gibt, die denkmalgeschützte Nikolauskirche?
Potenzial schon ausgeschöpft?
Die Autorin:
Die Theologin Aurica Jax ist mit je halber Stelle Referentin für Ökumene im Bistum Münster und Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Katholischen Hochschule NRW (Standort Münster). Sie engagiert sich in der Bischöflichen Frauenkommission sowie am Institut für Theologische Zoologie (Münster).
Für mich sind alle diese Orte Hoffnungsorte – auch Hamminkeln, Horstmar, Essen und Wetzlar, die unter anderem ebenfalls vertreten waren und auf eine lange Erfahrung ökumenischer Kooperationen und Wohngemeinschaften zurückblicken.
Dennoch frage ich mich, ob nicht noch mehr „geht“ im Bistum Münster und darüber hinaus. Ist das Potenzial verbindlicher Ökumene ausgeschöpft? Diese soll ja keine Zusatzbelastung in den vielfältigen Prozessen sein, die alle Kirchen ohnehin gerade beschäftigen, sondern Bereicherung und Entlastung, auch finanziell. Denn beide großen Kirchen müssen sich von Gebäuden trennen, vor allem von Kirchbauten und Pfarrheimen, und möchten verständlicherweise zugleich möglichst präsent bleiben. Warum dann nicht „zusammenziehen“, wie es der offizielle praktische Leitfaden „Und wenn wir alle zusammenziehen?“ nennt?
Fehlt der Ökumene der Schwung?
Provokant frage ich: Stimmt es, dass der Ökumene mittlerweile der Schwung fehlt? Und liegt das an der ungeklärten Frage der eucharistischen Gastfreundschaft? Theologin und Ökumene-Expertin Dorothea Sattler half uns in Haltern, den aktuellen Stand zu sortieren, und machte Hoffnung auf langfristige Veränderung.
Oder wird umgekehrt ein Schuh daraus: Ist Ökumene so selbstverständlich geworden, dass niemand besonders darüber nachdenkt? Und so konzentrieren wir uns lieber auf die großen gesellschaftlichen Herausforderungen? Doch auch das ginge hervorragend unter noch mehr gemeinsamen Dächern!
In unseren Gast-Kommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.