Katholische Elternschaft Deutschlands tagt am Wochenende in Münster

Katholische Eltern beklagen zu starren Blick auf Noten

Vom 5. bis 7. April kommt die Katholische Elternschaft Deutschlands (KED) zu ihrem Bundeskongress im Franz-Hitze-Haus in Münster zusammen. Das Thema ist: „Lehrer – Super(wo)man?“ Marie-Theres Kastner (68) aus Warendorf ist seit 14 Jahren Bundesvorsitzende der KED, sie führt seit fünf Jahren auch den Diözesanverband Münster.

Frau Kastner, warum beschäftigt sich ein katholischer Elternverband mit der Rolle der Lehrer?

Die KED spricht mit Blick auf alle Beteiligten in der Schule von einer Erziehungspartnerschaft. Eltern sind für ihre Kinder verantwortlich, vertrauen sie für einen großen Teil des Tages Lehrerinnen und Lehrern in der Schule an. Dadurch übernehmen diese faktisch auch Erziehungsaufgaben und es ist im Sinn der Kinder, über gemeinsame Erziehungsziele mit den Eltern zu reden. Eltern und Lehrer müssen einander als Partner behandeln.

Aber es sind doch auch Eltern, die den Druck auf Lehrer erhöhen – auch wenn oder gerade weil sie nur das Beste für ihr Kind wollen.

Eltern sehen ihre Kinder oft anders als die Lehrpersonen und wünschen sich für ihr Kind eine möglichst individuelle Förderung. Als KED wollen wir mit unserem Kongress bei Eltern und Lehrern vor allem Verständnis füreinander wecken. Wir hoffen, dass Lehrer die Sorgen der Eltern ernst nehmen und offen für ihre Anregungen und Unterstützungsangebote sind. Zugleich werben wir bei den Eltern dafür, Vertrauen in die Fachkompetenz der Lehrer zu haben. Ich finde es ausgesprochen schwierig, wenn Eltern sich bei Lehrern beschweren, wenn sie ihr Kind nur mit einer Vier oder Drei benoten. Da hat sich in den letzten Jahren vieles verändert.

Dauerhaft schwächere Noten verbauen den Kindern aber möglicherweise schulische und berufliche Möglichkeiten.

Diese Fixierung auf Noten finden wir als KED nicht gut. Das gilt besonders, wenn die Noten entscheiden, ob man zu einem weiteren Ausbildungsschritt zugelassen wird. Wer sagt denn, dass zum Beispiel nur ein Abiturient mit einem Notendurchschnitt von 1,0 der Arzt ist, den sich Patienten wünschen? Sollte es neben Schulnoten nicht auch um andere Dinge gehen? Um soziales Verhalten oder ehrenamtliches Engagement? Oder, um im Arzt-Beispiel zu bleiben: Wären nicht Empathie, Stressresistenz, Neugier und der Wille, bei Behandlungsmethoden auf dem neuesten Stand zu bleiben, wichtige Faktoren neben der Note?

Marie-Theres Kastner, Bundesvorsitzende der KED. | Foto: privatMarie-Theres Kastner, Bundesvorsitzende der KED. | Foto: privat

Wie soll sich das auf dem Ausbildungsweg niederschlagen?

Zum Verhalten ihrer Schülerinnen und Schüler können Lehrerinnen und Lehrer eine Menge sagen. Warum sollen sie es nicht auch auf Zeugnissen vermerken? Das wäre zwar aufwändig, würde aber den individuellen Leistungen der Schüler sicher besser gerecht als die reine Schulnote.

Solange es das aber nicht gibt, geht es um gute Noten und Schulabschlüsse.

Wir sehen den Hype um das Abitur kritisch. Er setzt die jungen Menschen und auch ihre Familien unter Druck. Die KED hat Anfang 2019 ein bildungspolitisches Grundsatzpapier vorgelegt. Darin betonen wir, dass ein ordentlicher Realschul- oder Hauptschulabschluss genauso viel für ein Kind wert sein kann. Wir werben für eine neue Sicht in der Gesellschaft. Da würden vielleicht auch Zeugnisse mit anderen Aussagen als Noten in den Betrieben helfen, nicht immer nur Abiturienten einzustellen. Zumal wir als KED nicht die einzigen sind, die befürchten, dass das Leistungsniveau auf dem Weg zum Abitur sinken könnte, wenn fast alle Kinder das Gymnasium besuchen.

Wie hilft die KED Eltern?

Indem wir Informationen zu Themen anbieten, die Eltern bewegen – in Broschüren, unserer Verbandszeitung oder bei Veranstaltungen wie unserem Kongress in Münster. Als Beispiel sei das Thema Medien- und Handynutzung genannt. Durch unsere Veranstaltungen bieten wir Eltern ein Diskussionsforum mit Experten. Hier können sie Fragen loswerden und so einen eigenen Weg im Alltag finden.

Vorträge und Diskussionen des Studientags zum Thema „Lehrer – Super(wo)man?“ am 6. April sind auch für Nichtmitglieder der KED zugänglich. Weitere Informationen auf der Internetseite des Verbands.