„Catholic Women’s Council“ mit „Maria 2.0“, KFD, KDFB und anderen

Katholische Frauen gründen Reform-Netzwerk

„So viel Dynamik wie derzeit war schon lange nicht mehr in der Kirche. Diesen Schwung müssen wir nutzen, diese Energie darf nicht verpuffen.“ Wenn Dorothea Wichmann vom Engagement katholischer Frauen berichtet, ist sie kaum noch zu bremsen. Man spürt: Die Bonnerin will etwas bewegen in der Kirche, will Reformen anstoßen. Aber bitte nicht irgendwann, sondern jetzt!

Wichmann ist selbst bei der Protestbewegung Maria 2.0 aktiv, hat sich etwa im September an der Menschenkette um den Kölner Dom beteiligt. Aber Einsatz vor Ort ist ihr nicht genug. „Wir Frauen müssen uns gegenseitig stärken“, sagt sie. Vernetzung heißt das Stichwort - am besten weltweit.

Stiftung macht finanziell unabhängig

Diesem Ziel ist die engagierte Katholikin nun einen großen Schritt näher gekommen. Anfang November haben katholische Frauen und Verbände aus mehreren deutschsprachigen Ländern das Netzwerk „Catholic Women's Council“ gegründet. Mit dabei sind unter anderem der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB), die Katholische Frauengemeinschaft Deutschland (KFD), der Hildegardis Verein, Maria 2.0, die Katholische Frauenbewegung Österreich, die Frauenkirche Zentralschweiz, die schweizerische #JuniaInitiative sowie mehrere prominente Ordensfrauen. Das Vernetzungstreffen in Stuttgart hat Wichmann mit initiiert und geplant.

Federführend beteiligt an der Netzwerkgründung war neben der Bonnerin die internationale Initiative „Voices of Faith“, die zuletzt rund um die Amazonas-Synode mit Nachdruck von sich reden gemacht hat. „Voices of Faith“ habe internationale Erfahrung und setze sich weltweit für Frauenrechte in der Kirche ein, begründet Wichmann die Wahl des Partners. Und: „Hinter der Initiative steht eine finanzstarke Stiftung, sie ist somit unabhängig von kirchlichen Geldern.“

„Veränderung durch globale Frauenbewegung“

Angespornt von dem Treffen in Stuttgart ist auch Zuzanna Flisowska, General Managerin von „Voices of Faith“: „Im deutschsprachigen Raum sind die katholischen Frauen seit langem sehr aktiv, es gibt viele Bewegungen und Initiativen“, beschreibt sie die aktuelle Situation. Nun gelte es, durch Kooperation und Vernetzung die Energien zu bündeln. Denn: „Die Chance auf Veränderungen in der Kirche liegt in der globalen Frauenbewegung.“

Und noch etwas spricht laut Flisowska für einen Start des Netzwerks im deutschsprachigen Raum: „Die Zusammenarbeit zwischen Laien und der Amtskirche ist dort schon deutlich intensiver als in vielen anderen Ländern.“ Wichtig ist der Polin allerdings eines: „Wir wollen nicht, dass die einzelnen Organisationen ihre Identität verlieren. Wir sind unterschiedlich, und das ist auch gut so. Aber wir müssen zusammenstehen.“

Internationales Frauentreffen geplant

Und wie geht es weiter? „Um die Arbeit des Netzwerks voranzubringen, wurden in Stuttgart mehrere Arbeitsgruppen gebildet“, berichtet Wichmann. Themen seien etwa „Pastorale Berufungen der Frau“, „Transparenz bei Stellenbesetzungen und Bischofsweihen“ und „Gewalt gegen Frauen in der Kirche“. Über die KFD, die am Synodalen Weg in Deutschland beteiligt ist, sei zudem sichergestellt, dass die entsprechenden Themen und Anliegen auch in den Reformprozess der deutschen Kirche eingespeist werden könnten.

Kontakt wollen die Beteiligten zunächst vor allem über die digitalen Medien halten. Für die Zukunft aber seien natürlich weitere Treffen geplant - mit einem dann deutlich erweiterten Teilnehmerkreis. „Bis Ende nächsten Jahres wollen wir ein großes internationales Treffen katholischer Frauen auf die Beine stellen“, kündigt Wichmann an. Das sei eine Herausforderung, aber nicht unrealistisch - nicht zuletzt dank der Erfahrung von „Voices of Faith“. Auch Zuzanna Flisowska kündigt weitere Treffen an, will sich auf einen Rhythmus aber noch nicht festlegen. „Momentan denken wir an etwa einmal pro Jahr.“

Für Dorothea Wichmann ist vor allem eines wichtig: „Es muss etwas passieren.“ Zu lang schon würden katholische Frauen immer wieder die gleichen Forderungen erheben. Das sei auf dem Treffen in Stuttgart noch einmal klar geworden. „Aber passiert ist fast gar nichts, und das sorgt für Frustation.“ Jetzt aber sei die Aufnahmebereitschaft endlich in der Kirche da, in Deutschland und weltweit. „Das müssen wir nutzen!“