Katholische Freiwilligendienste im Oldenburger Land fordern mehr Zuschüsse

Katholische FSJ-Träger: Niedersachsen benachteiligt uns

Die Träger katholischer Freiwilligendienste in Niedersachsen sehen sich von der Landesregierung benachteiligt. Träger für ein allgemeines Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) erhielten für ihre Arbeit weniger Zuschüsse aus Landesmitteln, sagte Frank Tönnies, Geschäftsführer der „Katholischen Freiwilligendienste im Oldenburger Land“ (KFWD), im Gespräch mit „Kirche-und-Leben.de“. Sie seien schlechter gestellt als Anbieter von Freiwilligendiensten in Ökologie (FÖJ), Politik, Sport und Kultur.

Nach Angaben von Tönnies erhalten solche Träger bis zu 100 Euro Landes-Zuschuss mehr pro Teilnehmer und Monat als Anbieter eines allgemeinen FSJ. Diese Schlechterstellung sei nicht hinnehmbar, so Tönnies: „Wir wollen nicht benachteiligt werden.“

„Wir vermitteln nicht nur Abiturienten“

Frank Tönnies.
Frank Tönnies ist Geschäftsführer der KFWD. | Foto: Franz Josef Scheeben

Die FSJ-Träger leisteten auch im Hintergrund einen wichtigen sozialen Beitrag, sagte Tönnies. Träger für das FÖJ und ähnliche Dienste vermittelten „zu 90 Prozent“ Abiturienten an Einsatzstellen. Das sei beim FSJ anders. „Wir arbeiten auch mit Menschen, die viel mehr Begleitung brauchen – bei der Arbeit selbst wie auch in den Bildungswochen.“ Für diesen Einsatz fordere er „mehr Wertschätzung der Politik“.

Der katholische Träger erhalte zurzeit eine Landes-Förderung von 260 Euro pro Monat und Teilnehmer, rechnete Tönnies vor. Mit diesem Betrag könne er nicht auskömmlich wirtschaften.  Der Fehlbetrag im Jahreshaushalt der KFWD werde regelmäßig aus Umlagen und Kirchensteuermitteln beglichen. Die Trägergesellschaft war vom Landes-Caritasverband für Oldenburg und vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend gegründet worden.

Für mehr Wertschätzung von FSJ-lern – etwa beim Studienzugang

Tönnies forderte die Landesregierung auf, mehr finanzielle  Verantwortung zu übernehmen. Es reiche nicht, wenn die Regierung die Freiwilligendienste nur lobe und ihre Anerkennung äußere: „Sie muss auch etwas für das FSJ tun.“

Die Diskussion dürfe sich aber nicht auf höhere Zuschüsse verengen, warnte Tönnies. Für die jungen Menschen im FSJ forderte er „grundsätzlich eine neue Anerkennungskultur“. Das könne etwa geschehen durch Vorteile beim Studienzugang wie der Anerkennung des Dienstes als Wartesemester oder bei der Berechnung für die Hochschulzulassung.

Ministerium und Verbände im Gespräch über FSJ

Tönnies äußerte sich vor dem Hintergrund einer Veranstaltungsreihe, die das niedersächsische Sozialministerium und die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege zurzeit durchführen. Sozialministerin Carola Reimann (SPD) hatte im Frühjahr auf erste Vorwürfe der Wohlfahrtsverbände reagiert und mit ihnen gemeinsam zu diesem Veranstaltungen eingeladen. Dort sollen Träger, Einsatzstellen und die Jugendlichen über die Bedingungen des FSJ ins Gespräch kommen.